Lexikon der Filmbegriffe

Zeitlupe

engl.: slow motion; manchmal auch abgekürzt: slomo

Zeitlupenaufnahmen werden in mehreren Grundfunktionen verwendet: (1) Ein besonderes Geschehen wird dadurch einer besonders intensiven Betrachtung zugänglich. Dazu rechnen schnelle Naturprozesse wie der Biss einer Schlange ebenso wie sensationelle Inszenierungen im Spielfilm (Explosionen, gefährliche Stunts etc.). (2) Sie verklären ein Geschehen in einer ähnlichen Art wie Weichzeichner-Bilder oder Überbelichtungen. So werden nostalgische Erinnerungsbilder oft als Zeitlupenaufnahmen realisiert. In Lumets The Pawnbroker (1965) zeigt ein Zeitlupen-Flashback das Leben einer jüdischen Familie in Europa, die später in den Konzentrationslagern verschwand. (3) Sie sind ein inzwischen konventionelles Mittel der Darstellung von Gewalt. Vor allem in den Filmen von Peckinpah (wie in The Wild Bunch, 1969) ist diese empathisierende Strategie vorgeführt worden: Der Moment der Gewaltanwendung wird so vom Kontext geschieden, Gewalt als besonderer Erfahrungs- und Zeitmodus artikuliert. In dieser Art wird auch die Abklangphase von Handlungen – der Mörder ist tot, die Heldin lässt in Zeitlupe die Waffe auf den Beifahrersitz fallen (Blue Steel, 1990) – oder der Augenblick des Entsetzens hervorgehoben (der Vater zieht die ertrunkene Tochter aus dem Teich, Don‘t Look Now, 1973). (4) Sie stellen vor allem in Sportfilmen wie Chariots of Fire (1980) pathetisch und unter Umständen nostalgisch die Schönheit und die Bewegung des menschlichen Körpers im athletischen Vollzug dar. (5) Sie dienen möglicherweise auch der Markierung von Subjektivität und subjektiver Wahrnehmung.

Referenzen:

Überdrehen / Unterdrehen

Ultrazeitlupe


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: HJW


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