Lexikon der Filmbegriffe

CSI-shot

In den Gerichtsmedizin-Serien des Fernsehens, insbesondere in der Reihe CSI: Crime Scene Investigation (USA 2000ff), war die Betrachtung der Verwundungen des Leichnams Teil der investigativen Strategie: Die Kenntnisnahme der Leiche ist der Weg in das Innenverständnis des Falls. Der Film inszeniert diese Strategie der Ermittlung durch Bilder des Körperinneren. Die Digitalisierung schafft die Möglichkeiten, auch dem Zuschauer den Blick in den Körper hinein zu ermöglichen – mittels der oft sogenannten CSI-shots. Derartige Aufnahmen waren bis dato fast ausschließlich in Wissenschafts- und medizinischen Lehrfilmen verwendet worden. Die Explizitheit der Darstellung spielt auf der einen Seite mit den bekannten Faszination-Ekel-Reaktionen, die auch den Splatter-Film begleiten; aber sie sichern gleichzeitig eine Evidenz der Beweise, die mit klassischen Ermittlungsmethoden (vor allem mit Verhören) so nie zu erreichen wäre. Die Körperbilder dieser Art beanspruchen eine „materielle Wahrheit“, die frei ist von den Interessen der Beteiligten, objektiv, nichtparteilich, gegen Manipulation immunisiert.

CSI-shots sind aber nicht nur Teil der Investigation, sondern vor allem oft in die Handlung unmittelbar eingebunden, dringen z.B. mit einem Geschoss in den Körper ein. Der Zuschauer wird dabei mit der Kamera unmittelbar in den Körper der Opfer hineingezogen; der Handlungsraum erweitert sich, ist nicht mehr an die äußere Physis der Figurenkörper gebunden.

Referenzen:

CSI-Effekt


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: HJW


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