Lexikon der Filmbegriffe

Anime

japan., von engl.: animation bzw. animated movie abgeleitete Kurzform (mit Betonung auf der Endsilbe) für Zeichentrickfilm, Trickfilm (vollständig: animeeshon-eiga)

Die Animes gehen auf die speziellen japanischen Comics (Mangas) zurück, die bereits seit den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts parallel zum japanischen Film entwickelt wurden. Obgleich es bereits vorher Animes vorwiegend für ein kindliches Publikum gegeben hatte, spricht man seit dem 1977 erschienenen Uchu Senkan Yamato [Raumschlachtschiff Yamato] von eigentlichen Erwachsenen-Animes, die seit den 1980er Jahren in erheblicher Zahl mit Neigung zur Serialität angefertigt werden. Sie erfreuen sich in Japan wie die Mangas ungeheurer Beliebtheit und werden in kaum überschaubaren Mengen hergestellt (bisher über 900, Stand: 2003). Animes haben eine spezielle Fan-Subkultur hervorgerufen (mit eigenen Fan-Praktiken wie z.B. cosplay – ‘costume play’ – für das Nachstellen von Figuren und Szenen in speziell angefertigten Kostümen). Ein fanatischer Anhänger von Animes wird auch anime-otaku genannt.
Während die japanischen Animes in verschiedenen Graden und Verfahren der Animation – angefangen beim komponierten Abfilmen von Mangas bis zur vollständigen Computeranimation – hergestellt werden und alle möglichen Publika und Themen bedienen, sind im Westen neben solchen mit sexuellen Thematiken besonders Inhalte aus der Science Fiction, der Cyborg-Fantasy (sogenannte Mecha-Animes) und der Welt der Superhelden für Erwachsene bekannt geworden. Hier wurden auch zunächst durch das Fernsehen Anime-Serien für Kinder wie z.B. Dragon Ball, Sailor Moon, Pokémon und Digimon populär – und es spricht für die kulturindustrielle Verankerung der Animes, dass sie in erheblichem Maße in der Bewerbung von Kinderprodukten eingesetzt werden (Merchandising). In den letzten Jahren haben – nicht zuletzt durch das erfolgreiche Wirken des seit den 1960er Jahren tätigen Regisseurs Hayao Miyazaki vom Studio Ghibli – auch wieder Animes mit Mythen- und Märchenstrukturen für Kinder großen Erfolg, und das auch bei Erwachsenen und der Filmkritik (Mononoke-Hime / dt.: Prinzessin Mononoke, 1997; Sen to Chihiro no Kamikakushi, aka: Spirited Away / dt.: Chihiros Reise ins Zauberland, 2001).

Literatur: Clements, Jonathan / McCarthy, Helen: The anime encyclopedia: a guide to Japanese animation since 1917. Berkeley, Calif.: Stone Bridge Press 2001. – Napier, Susan J.: Anime from Akira to Princess Mononoke: experiencing contemporary Japanese animation. New York: Palgrave 2001. – Themenheft der Zeitschrift Japan Forum 14,2 (Sept. 2002). – Einige einschlägige Online-Artikel versammelt http://www.animeresearch.com/resources.html.
 

Referenzen:

Animationsfilm

Cartoon

Comics-Verfilmung

Cyberpunk

Dojinshi

Gainax

Hentai

Manga

Otaku

Toei / Toei Animation Company


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: LK


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