Lexikon der Filmbegriffe

Indiewood

Die Grenzlinie zwischen den Studioproduktionen und den Filmen des unabhängigen Kinos (auch im Deutschen meist: Independents) hat sich seit den 1990ern verwischt; als erster Film des Indiewood gilt Steven Soderberghs Sex, Lies and Videotape (USA 1989). Mit dem aus der Kritik stammenden Indiewood bezeichnet man die Abteilungen der großen Studios, die unabhängig produzierte Filme vermarkten, manchmal sogar schon während der Produktion betreuen. Dieser Prozess des Zusammenwachsens der beiden Produktionssphären wird meist in Zusammenhang mit der Neoliberalisierung der Filmindustrie gebracht – wobei es oft um den paradox erscheinenden Effekt geht, dass die ästhetische, politische und ideologische Unabhängigkeit der traditionell unabhängigen Produktionen unter die hegemonialen Einflüsse der Studios gerät. Filme wie Memento (USA 2000, Christopher Nolan), Lost in Translation (USA 2003, Sofia Coppola) oder Brokeback Mountain (USA 2005, Ang Lee) gehören weder dem geradlinigen und politisch korrekten Hollywood zu noch den meist viel experimenteller verfahrenden traditionellen Independent-Kino eines John Cassavetes oder eines John Sayles. Dem Indiewood zugerechnet werden Studios wie Miramax und vor allem Verleihlabel wie Fox Searchlight, Focus und Paramount Vantage.

Literatur: Biskind, Peter: Down and dirty pictures. Miramax, Sundance, and the rise of independent film. New York: Simon & Schuster 2004. Dt. als: Sex, Lies & Pulp Fiction. Hinter den Kulissen des neuen amerikanischen Films. Berlin: Rogner & Bernhard 2005. – Roman, Shari: Digital Babylon. Hollywood, Indiewood & Dogme 95. Los Angeles: IFILM 2001. – King, Geoff: Indiewood, USA. Where Hollywood meets independent cinema. London [...]: Tauris 2009 (International library of cultural studies. 2.).


Artikel zuletzt geändert am 30.12.2011


Verfasser: HHM


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