Lexikon der Filmbegriffe

Photoepilepsie


auch: fotogene Epilepsie

Eine Sonderform der Epilepsie ist die sogenannte Photo-Epilepsie, die sich in Form von Anfällen äußert, die durch optische bzw. visuelle Reize ausgelöst werden können (photogene Reflexanfälle). Sie gehört zu den „induzierten Epilepsien“.
Erstmalig beschrieben wurde die „Licht-Epilepsie“ in den frühen 1950ern. Die Untersuchung der Photoepilepsie geht wohl von einer Kritik am Fernsehen, als 1970 in der britischen Medizin-Zeitschrift The Lancet die steigende Zahl von induzierten Epilepsien beklagt wurde, die wohl durch Fernsehkonsum ausgelöst seien. Öffentliche Aufmerksamkeit gewann die Krankheit in den 1980en und 1990ern, als in Folge der äußerst schnell geschnittenen Video- und Computerspiele es zu einer Häufung von Fällen kam. Bezeichnungen wie „Nintendo-Epilepsie“, „Space-Invaders-Epilepsie“, „Dark-Warrior-Epilepsie“ und ähnliches deuten auf das Feld der auslösenden Spiele hin. Firmen wie Nintendo liefern ihre Spiele nach einigen Schmerzensgeldprozessen mit dem Hinweis auf das Epilepsie-Potential aus – die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Von ähnlichen Affinitäten äußerst schnell geschnittener Film- und Videostücke zur Photoepilepsie wird auch von einzelbildweise geschnittenen Videoproduktionen berichtet, wie sie zeitweise in Diskotheken der 1980er Jahre als Hintergrund- und Animationsvideos eingesetzt wurden.

Literatur: De Marco, P. / Ghersini, L.: Video games and Epilepsy. In: Developmental Medical Child Neurology 27,6, 1985, S. 514‑521. – Ferrie, C.D. / De Marco, P. / Grunenwald, R.A. / Giannakodimos, S./ Panayiotopoulos, C.P.: Video game induced seizures. In: Journal of Neurology and  Neurosurgical Psychiatry  57,8, 1994, S. 925‑31. – Maeda, Y. / Kurokawa T. / Sakamoto, K. / Kitamoto, I. / Ueda, K. / Tashima, S.: Electroclinical Study of Video‑Game Epilepsy. In:  Developmental Medical Child Neurology 32,6, 1990, S. 493‑500.



Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JvH


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