Lexikon der Filmbegriffe

Tagefon

auch: Tagephon

Ein sowjetisches System der photographischen Tonaufzeichnung wurde 1926 in Moskau von einer Gruppe unter der Leitung von Pavel G. Tager vorgestellt, das Tagefon genannt wurde. Ein ähnliches Verfahren stellte A.P. Shorin 1927 in Leningrad vor (Shorinfon), das den Ton nicht wie im Tagefon-System als Sprossenschrift, sondern das ihn zackenförmig aufzeichnete. Die Einführung der beiden Systeme in die Kinoindustrie erwies sich als schwierig, es gab immer wieder Rückschläge. Sowohl Tager wie Shorin griffen ab 1930 auf amerikanische Techniken zurück – und Plan velikikh rabot (IT: Plan for Great Works, 1930, Abram Room) konnte schließlich als erster sowjetischer Ton-Film vorgestellt werden. Probleme blieben auch dann noch spürbar – so ging Vsevolod Pudovkins Tagefon-Produktion Prostoy sluchay (IT: A Simple Case, 1933) aufgrund technischer Probleme als Stummfilm in die Auswertung.  Auch Dziga Vertovs Film  Entuziazm: Simfoniya Donbassa (1931), der das Shorinfon-System einsetzte, kam erst mit zwei Jahren Verspätung in die Kinos. Das Tagefon-Verfahren wurde zuerst 1931 in einem Spielfilm verwendet, der auch in den Kinos lief (Putyovka v zhizn / Der Weg ins Leben, 1931, Nikolai Ekk). Noch Erwin Piscators Vosstaniye rybakov (Aufstand der Fischer, UdSSR 1934, Erwin Piscator) verwendete das Tagefon-Verfahren. Eine ganze Reihe von Stummfilmen, denen nachträglich Musik und Ton-Effekte unterlegt worden waren, folgten. Prasdnik swjatowo Jorgena (Das Fest des heiligen Jürgen, 1930, Jakov Protasanov) wurde sogar um eine Ton-Rahmenhandlung ergänzt. 

Literatur: Christie, I.: Soviet cinema: making sense of sound. In: Screen 23,2, 1982, S. 34-49. – Thompson, Kristin: Early sound counterpoint. In: Yale French Studies, 60, 1980, S. 115-140.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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