Lexikon der Filmbegriffe

Quotierung


auch: Filmkontingent, Kontingentierung

Als Kontingent bezeichnet man jene Menge an Filmen, die in ein bestimmtes Land in einem bestimmten Zeitraum importiert werden dürfen. Die Höhe eines Filmkontingents wurde meist durch eine Importquote festgelegt, die das Mengenverhältnis von inländischen zu ausländischen Filmen bestimmte. Filmkontingente wurden in den 1920er Jahren von vielen europäischen Staaten eingeführt um die nationale Filmproduktion vor zu hohen Filmimporten aus den Vereinigten Staaten zu schützen, deren Filmindustrie während des und nach dem Weltkrieg konsequent industrialisiert und kapitalisiert wurde. Die Kontingentierung der Einfuhren war auch eine Antwort auf die Strategie der US-Verleihe, die Filme auf den europäischen Märkten zu Dumping-Preisen anzubieten (was möglich war, weil die Filme meist bereits durch die Auswertung in den USA das nötige Einspielergebnis erbracht hatten). Die US-Filme fanden schnell den Weg zum europäischen Publikum – das Starsystem Hollywoods, die Genres der Erzählung, die professionelle Inszenierung wurden auch hierwahrgenommen. In den frühen 1920ern drohte die Übernahme der nationalen Märkte durch die Amerikaner, man sprach von der „Filmflut“. Von den Importquoten waren nicht nur amerikanische Filme, sondern ausländische Filme generell betroffen. In Absprache mit Vertretern der Hollywood-Studios kam es zur Vereinbarung von Quoten, die an der Größe der heimischen Filmindustrien orientiert waren. Für Deutschland, das eine potente Filmindustrie hatte, konnte eine Quote von 1:1 durchgesetzt werden; Frankreich dagegen, dessen Studios nach dem Krieg große finanzielle Probleme hatten, musste sich auf eine Quote von 1:7 (= ein französischer, sieben amerikanische Produktionen) einlassen. Höchst bemerkenswert ist die englische Quote von 1:20, die deutlich auf die Kapital-Krise der englischen Filmindustrie hinweist; Versuche, die Quote für die heimische Produktion zu verbessern, wurde durch die US-Studios durch die Finanzierung britischer Billigproduktionen (quota quickies) unterlaufen. Unter der Drohung, bei zu schlechter Quotierung die amerikanischen Filme ganz vom Markt zu nehmen, führten dazu, dass Länder wie Ungarn auf die Quotierung ganz verzichteten.


Referenzen:

Blum-Byrnes-Verträge

Cinematograph Films Act 1927

Kontingentierung

Quota Quickies


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: W KB


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