Lexikon der Filmbegriffe

No-Budget-Film


dt. etwa: Film ohne Produktionskosten

No‑Budget‑Filme werden unabhängig mit sehr wenig oder ohne Filmbudget realisiert, indem meist die Beteiligten in der Regel auf eine Bezahlung verzichten. Durch die Verwendung von Amateurformaten, durch die Verwendung von Filmmaterialresten und Videokameras aus dem gehobenen Amateurbereich sowie den Verzicht auf umfangreiche Planungen oder Drehgenehmigungen müssen die Kosten auf ein Minimum gesenkt werden. Der Regisseur agiert meist als Autorenfilmer und beschäftigt nur vereinzelt weitere Filmcrew‑Mitglieder. Im Unterschied zum ebenfalls minimal budgetierten Low‑Budget‑Film sind die No-Budget-Filme nicht auf Profit ausgerichtet. Zu den ersten von der Filmkritik beachteten No‑Budget‑Filmen gehören die Filme der Apu‑Trilogie (Indien 1955–1959) von Satyajit Ray – Pather Panchali (1955) etwa kostete ganze 150.000 Rupien (ca. 3.000 US-$). 1960 veröffentlichte Ron Rice den Schwarzweißfilm The Flower Thief, dessen Produktionskosten sich sich auf weniger als 1.000 US‑Dollar beliefen; als Filmmaterial wurden 16mm‑Kassetten der Luftaufklärung aus Beständen des Zweiten Weltkriegs verwendet. In den frühen 1960er Jahren verwendete Filmemacher Jack Smith ausrangierte Diafilme, um seinen No‑Budget‑Klassiker Flaming Creatures (USA 1963) zu drehen. John Waters‘ Hag in a Black Leather Jacket (USA 1964) wird nachgesagt, er habe nur 30 US‑Dollar gekostet. No-Budget-Filme finden heute eine allerdings beschränkte Öffentlichkeit auf einigen Spezialfestivals (darunter seit 1995 das Flicker Film Festival in Los Angeles, seit 1997 das Festival Trasharama A‑Go‑Go im australischen Adelaide sowie das 1985 gegründete No-Budget-Festival in Hamburg, das seit 1994 als Kurzfilmfestival neu benannt wurde). Dass No-Budget-Filme wie die Dostojewski-Adaption Die Spieler (BRD 2007, Sebastian Bieniek), der ganze 2.000 D-Mark gekostet haben soll, als Preisträger auf einem A-Festival nominiert wurden, ist eine große Ausnahme. Gelegentlich werden No-Budget-Filme auch heute noch zu Publikumserfolgen – man denke an Robert Rodriguez‘ El Mariachi (Mexiko 1992), der ganze 7.225 US-$ gekostet haben soll.
Das unfinanzierte Filmemachen ist gelegentlich auch als Gegenbewegung gegen die Budget-Zwänge ausgewiesen worden – etwa in dem Programm der garage movies, die Ken Russell seit etwa 2000 im heimischen Garten realisiert.

Literatur: Levy, Emanuel: Cinema of outsiders. The rise of American independent film. New York [...]: New York University Press 1999. – Garon, Jon M.: The independent filmmaker's law and business guide. Financing, shooting, and distributing independent and digital films. Chicago, Ill.: Chicago Review Press 2009. – Maschwitz, Stu: The DV rebel's guide. An all‑digital approach to making killer action movies on the cheap. Berkeley, Cal.: Peachpit Press 2007.


Referenzen:

cinéma copain

Low-Budget-Produktion

short end


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: W CA


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