Lexikon der Filmbegriffe

Antihelden-Filme

Eine ganze Reihe von Filmen (vor allem aus der Zeit der großen Umwälzungen zwischen 1965 und 1975) kannten den Antihelden als eine rhetorische Technik, den Zuschauer auf der Seite derjenigen zu vereinnahmen, denen Unrecht zugefügt wird. In Filmen wie Easy Rider (1969), Vanishing Point (1971) oder auch Dog Day Afternoon (1975) unterliegen sie und kommen zum größeren Teil sogar um, aber sie sind die eindeutig moralisch bedeutsamen Figuren des Films. An ihnen wird demonstrativ Unrecht ausgeübt, von Leuten, die das Recht nicht oder nur vorgeblich auf ihrer Seite haben.


Oft stehen diese Antihelden für die ursprünglichen Wertvorstellungen des amerikanischen Projekts, sind Verkörperungen einer fundamentalen americanité. Unbegrenzte Freizügigkeit, Selbstbestimmung, Mobilität stehen dann gegen die Enge und Selbstgerechtigkeit eines anderen Amerika, das intolerant und gewaltbereit ist. Darum auch finden sich antiheldische Figuren nicht nur im Sozialdrama und nicht nur als zeitgenössische Helden-Typen. Immer wieder sind im Gangster-Film Antihelden aufgetreten, in dem fundamentalen Widerspruch intensivst nach Selbstverwirklichung zu suchen und damit nicht nur in einen Wertehorizont von américanité tretend, sondern auch die Sympathien des Zuschauers genießend, und gleichzeitig außerhalb von Gesetz und Ordnung zu stehen und die Verfolgung der Apparate auf sich ziehend, was wiederum ihre radikale Individualität unterstreicht; Beispiele lassen sich von Public Enemy (1931) über Bonnie and Clyde (1967) bis hin zu Scarface (1983) aufzählen. Einige Schauspieler haben immer wieder Antihelden gespielt – Robert de Niro in Taxi Driver (1976) oder King of Comedy (1983), Sean Penn in Sweet and Lowdown (1999) oder Mystic River (2003). 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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