Lexikon der Filmbegriffe

Gonzo movie

(1) Das Adjektiv gonzo steht im amerikanischen Englisch für ‚außergewöhnlich, grenzüberschreitend exzentrisch, verrückt, durchgeknallt‘; als Substantiv kann es auch eine Person mit anarchischem oder exzentrischem Verhalten oder Wesen bezeichnen (aus gone ‚verrückt, bizarr‘ + (italoamerikan.) crazo ‚Exzentriker, Verrückter‘; evtl. auch eine Verballhornung des seit den 1940er Jahren verwendeten gung-ho (aus chin. keng ho ‚ehrfurchtgebietend‘) für einen enthusiastisch-aggressiven Soldaten oder Sportler bzw. für entsprechendes Verhalten). (2) Besonders im Jargon schwarzer Amerikaner wird gonzo auch für ‚schwer berauscht, (durch Drogen oder Musik) betäubt‘ verwendet. (3) Gonzo (aka: Der Große Gonzo) heißt auch ein ziemlich verrücktes, blauhaariges Zotteltier mit rüsselartigem, rechtwinklig gebogenen Schnabel (oder Nase?), halb Geier, halb Makake – offiziell ist seine Spezies „Whatever“ –, aus Jim Hensons The Muppet Show (TV, 1976-1981). Er ist ein Freund des Frosches Kermit.
(1) Überwiegend sind mit gonzo movies billig produzierte Pornofilme gemeint, bei denen die Darsteller/innen zuweilen angetrunken oder sonstwie berauscht erscheinen, ausgefallene Sexpraktiken ausüben und direkt die Kamera ansprechen. Das Personal am Set wird ebenfalls gezeigt und häufig in die sexuellen Handlungen eingebunden.
(2) Der Ausdruck bezeichnet zudem Filme, die zwar keinen expliziten Sex zum Gegenstand haben, ihre Botschaft jedoch in einer besonderen Mischung aus ‚frecher‘ direkter Kameraadressierung durch den Regisseur (oder seitens der Protagonisten), roher Unkonventionalität, Zynismus und schlechtem Geschmack zum Ausdruck bringen. So werden (um nur neuere Produktionen zu nennen) Michael Moores Bowling for Columbine (USA 2002) und George Clooneys Confessions of a Dangerous Mind (USA 2002) als gonzo movies angesprochen, und auch die TV-Serie Jackass (USA 2000) oder Jackass: The Movie (Jeff Tremaine, USA 2002) dürften hier problemlos zu verorten sein.
(3) Hunter S. Thompson hat 1970 in einem Beitrag für Rolling Stone den Begriff gonzo journalism geprägt, worunter eine extreme Form des Journalismus verstanden wird, in der sich Reporter nicht einer neutralen Distanz befleißigen, sondern bewusst ihre eigenen Ansichten, Gefühle und Werturteile in eine Geschichte einbringen (vgl. Thompson, The Gonzo Papers, 4 Bde., New York 1979-1994). In der Nachfolge Thompsons wurde der Begriff auf weitere Bereiche ausgedehnt: gonzo democracy, gonzo justice, gonzo marketing, gonzo sex und eben gonzo movies.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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