Lexikon der Filmbegriffe

Tripo-Film

Der sogenannte Tripo-Film ist eine Weiterentwicklung des Zweifarben-Positivfilms (Dipo-Film). Er wurde von dem ungarischen Chemiker Béla Gaspar entwickelt, der 1930 seine Gasparcolor Naturwahre Farbenfilme GmbH in Berlin gegründet hatte. Auf der Vorderseite enthielt der Film die purpurnen und gelben Farbstoffe, und der Rückseite die blaugrünen; die Aufnahmen wurden mit einem grünen, einem roten und einem blauen Filter gemacht; die Negative der so gewonnenen Farbauszüge wurden auf den Tripo-Film kopiert und nach dem Silberfarbstoff-Bleichverfahren entwickelt. Gaspar stellte das 1932 erfundene, meist auch Gasparcolor genannte Verfahren am 25.10.1933 auf einer Sitzung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft vor. Bereits 1934 wurde in London eine Zweigniederlassung gegründet (Gasparcolor Limited). Das Verfahren wurde wegen der extremen Lichtaufwandes, der für die Filterung nötig war (jedes Einzelbild benötigte eine Belichtungszeit von annähernd 30sec), vor allem in Zeichentrick- und Werbefilmen verwendet (etwa in Filmen Oskar Fischingers wie Muratti greift ein, 1933, in England in Filmen George Pàls wie The Magic Atlas, 1935, oder On Parade, 1936, in Len Lyes Rainbow Dance, 1936, in Frankreich in Filmen Alexander Alexeieffs wie Naissance de Vénus, 1936, oder Palette d’artiste, 1938). Gaspar bot noch den Umbau herkömmlicher Kameras für das Fischinger-Konzept an, doch bereits ein Jahr, nachdem die Nazi-Presse das Verfahren zu einem deutschen technologischen Herzeigeprodukt erklärt hatte („Die Farbe marschiert!“), verließen Gaspar und  Fischinger 1936 Deutschland. Die Gasparcolor Werbefilme GmbH produzierte noch während der Kriegszeit (etwa die Lehrfilmsammlung Der heeresatmer, 1943, Hans Wüstemann). 
 

Referenzen:

Agfa-Pantachrom

Dipo-Film


Artikel zuletzt geändert am 23.12.2012


Verfasser: JH


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