Lexikon der Filmbegriffe

Accolade

von frz.: accolade = Umklammerung, Umarmung; als Bezeichnung einer Montageform abgeleitet aus frz.: syntagme en accolade = Syntagma der zusammenfassenden Klammerung, wörtlich: „Syntagma der Umarmung“; engl.: bracket sequence

Achronologische Syntagmen können nach einem Vorschlag Metz‘ in zwei Formen auftreten: als parallele Syntagmen, die solche begrifflichen Oppositionen wie die von „arm und reich“, „Krieg und Frieden“, „gestern und heute“ als abstraktes Prinzip, nicht als Erzählung entfalten, und als Syntagmen der zusammenfassenden Klammerung, worunter er eine Anhäufung von Bildern versteht, die in ihrer Gesamtheit eine Situation (zum Beispiel eine vielfach ausgeübte Handlung) oder eine Idee (wie Landleben oder Alltag im Kloster) bezeichnen. Metz gibt die folgende Definition: „Eine Serie kurzer Szenen, die solche Ereignisse darstellen, die als typische Beispiele für eine bestimmte Realität angesehen werden und die ganz bewusst nicht in ein zeitliches Verhältnis zueinander gebracht werden, um gerade dadurch ihre Zusammengehörigkeit innerhalb einer Kategorie von Tatsachen zu betonen“ (1972). Die Beschreibung der inneren Beziehungen der Einstellungen einer thematisch fundierten Sequenz greift auf ein alltagssprachliches Verständnis von „Thema“ zurück. Als eigentliche definitorische Qualität wird in der Beschreibung meist das Exemplarische – eine Serie kurzer Szenen, die als typische Beispiele für eine bestimmte Realität angesehen werden – ausgewiesen. Die einzelnen Bilder der Sequenz werden dann als Exempla einer thematischen Kategorie aufgefasst, als Bilder, die einem thematischen Paradigma zugehören. Die Elemente treten in rekurrierender Reihung auf, bilden so eine Liste der Exemplare einer Kategorie, die selbst nicht explizit, sondern ausschließlich durch die Exemplare vertreten ist, die sie realisieren; Möller spricht von paradigmatischer bzw. topikaler Rekurrenz, die die Kette charakterisiere.
 
Literatur: Metz, Christian: Probleme der Denotation im Spielfilm. In: Semiologie des Films. München: Fink 1972, S. 151-198. Original: Problèmes de dénotation dans le film de fiction. In: Essais sur la Signification au Cinéma. 1. Paris: Klincksieck 1968, pp. 111-146. – Möller, Karl-Dietmar: Filmsprache. Eine kritische Theoriegeschichte. Münster: MakS Publikationen 1986. – Wulff, Hans J.: Accoladen: Die Montage der Listen und seriellen Reihungen. In: Montage/AV 20,1, 2011, S. 45-60.

Referenzen:

Klammersyntagma

thematische Montage


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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