Lexikon der Filmbegriffe

Begebenheit (2)

engl.: based on a real story

Die Redewendung „Nach einer wahren Begebenheit“ macht zwar einen etwas altertümlichen Eindruck, wird aber bis heute verwendet, um einem Film nicht nur eine realistische Motivierung zuzuweisen, sondern auch den Status des Erzählten als eines marginalen und eigentlich wenig auffallenden Geschehens zu klären. Der Terminus entstammt der Poetik der Kurzgeschichte – und er deutet darauf hin, dass bei aller Kleinheit oder scheinbarer Nebensächlichkeit des Geschehens ein Bedeutungspotential steckt, das sich erst in der literarischen oder dramatischen Darstellung entfaltet. Ein neueres Beispiel aus der Filmgeschichte ist Smoke (USA 1995, Wayne Wang): Paul Auster, der die literarische Vorlage geschrieben hat, insistierte darauf, dass die zweifach erzählte Weihnachtsgeschichte am Ende auf eine wahre Begebenheit zurückzuführen sei. In einem viel umfassenderen Sinne erweist sich die Anekdote der KZ-Häftlinge, die für die Nazis im großen Stil Falschgeld herstellen sollten, als Begebenheit am Rande der „großen Geschichte“ (in Die Fälscher, BRD 2007, Stefan Ruzowitzky).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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