Lexikon der Filmbegriffe

Españolada

oft auch vereint mit allen Formen folkloristischen Kinos: folkloricas; Subformen: andaluzada (für die in Andalusien spielenden Geschichten; dt. etwa: nach spanischer Art

Filme, die nicht in Spanien entstanden sind, die aber hinsichtlich Musik, Charakteren und Handlungsorten das Spanische imitieren, werden españoladas genannt. Filme dieser Gattung hatten seit der Zeit des Bürgerkriegs im Kino des faschistischen Spaniens eine zentrale Rolle gespielt. Bis in die späten 1950er hatten diese Filme zu den beim Publikum beliebten folklóricas gehört, fanden zum größten Teil allerdings nur in Spanien ihren Markt. Sie bedienten auch ein nationales Starwesen (u.a. Estrellita Castro, Imperio Argentino, Lola Flores, Antonio Molina). Werte des Franco-Spaniens wie der Machismo, eine immer spürbare Xenophobie oder eine tiefe Skepsis gegenüber der Urbanisierung auch der spanischen Gegenwartsgesellschaft gehörten zum ideologischen Tiefentext, den die Filme auch vortrugen. Allerdings kam das Genre in einer mehrjährigen Diskussion der 1950er in eine Krise; nun trat die Frage in den Vordergrund einer ästhetisch-politischen Diskussion des spanischen Kinos, ob es (nach dem Vorbild des Neorealismus) möglich sei, authentisches Kino in den Mitteln des Spielfilms (sogar außerhalb des frankistisch kontrollierten Spaniens) hervorzubringen und eine kritische Auseinandersetzung mit spanischer Realität und Geschichte zu betreiben, wenn man nur mit Versatz-Elementen einer folkloristischen Überhöhung ersetzt.
Das bis dahin in Spanien überaus verbreitete Genre ebbte in den 1950ern ab. Vor allem die übertrieben spanisch wirkenden Musikfilme wurden zum Gegenstand satirischer Verspottung. Das Musical El sueño de Andalucía (Spanien/Frankreich 1951, Luis Lucia)  etwa war einer der erfolgreichsten Filme des Jahres; noch die Komödie Curra Veleta (Spanien 1956, Ramón Torrado) wurde ein Publikumserfolg. Bei genauerem Hinsehen erweist sich die españolada als Hybridform, die auf Formelemente von Musical und Melodram zurückweist, regionale Musik und Tänze vor allem andalusischer Herkunft einsetzt, zahlreiche thematische Versatzstücke von spanishness (Stierkampf, Zigeuner- und romantische Banditenmilieus, Kostüme etc.) verarbeitet und sogar auf literarische Strömungen wie den costumbrismo des 19. Jahrhunderts rückbesinnt, der auf Sittenbeschreibungen regionaler spanischer Kulturen fußt. Erst in einigen Musikfilmen des nach-frankistischen Kinos kam es zur Rückbesinnung und Reflexion der Formen der españolada (etwa in den Flamenco-Filmen Carlos Sauras).

Literatur: Davies, Ann: The Spanish femme fatale and the cinematic negotiation of Spanishness. In: Studies in Hispanic Cinemas 1,1, 2004, S. 5-16. – García Escudero, José María: Cine español. Madrid: Ed. Rialp 1962. – Hardcastle, Anne E.: Representing Spanish identity through españolada in Fernando Trueba’s The Girl of Your Dreams (La niña de tus ojos). In: Film Criticism 31,3, 2007, S. 15-36.


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2012


Verfasser: KB


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