Lexikon der Filmbegriffe

physisches Theater

engl.: physical theatre
 
Als physisches Theater wird eine Gattung des Performativen bezeichnet, das sich ganz auf die Ausdrucksmöglichkeiten des menschlichen Körpers, nicht oder nur sehr wenig auf die des gesprochenen Wortes. Wird der Körper zum primären Kommunikationsmittel des Künstlers, treten alle Elemente nichtverbaler Kommunikation ganz ins Zentrum der Aufführung – vom Gesichtsausdruck über die Gesten, den Gang, rhythmische Bewegungen des ganzen Körpers, die Körperstellung, das Arrangement von Körpern im Raum, selbst das Körperschema, die sichtbar gemachte Körperspannung, die Formung der Zeit in der Beschleunigung, Verlangsamung, Intensivierung, Unterbrechung im Modus des Bewegens. Vom Tanz unterscheidet sich das physische Theater durch seine stärkere Orientierung an narrativen Strukturen, an Aktion und Charakter resp. Figur. Die Grenzen sind allerdings unscharf. Physisches Theater findet sich als Körperkomödie (wie etwa Slapstick), als Pantomime, als perkussiv-musikalischer Vollzug, als pantomimisch vollzogenes Puppenspiel; manchmal wird auch ein Großteil der Zirkus-Akte dazugerechnet. Als Theoretiker des Feldes gilt Jacques Lecoq, der mit seinem Konzept des „poetischen Körpers“ eine theoretische Grandlage für das physische Theater anstrebte, es zugleich in pädagogische Konzepte einbindend.

Literatur: Köller, Thomas: Die Schauspielpädagogik Jacques Lecoqs. Frankfurt [...]: Lang  1993. Zuerst als Diss.  Bielefeld 1992. – Lecoq, Jacques: Der poetische Körper. Eine Lehre vom Theaterschaffen. In Zusammenarbeit mit Jean Gabriel Carasso und Jean Claude Lallias. Aus dem Franz. von Katja Douvier. Berlin: Alexander 1999. – Matthies, Roland: Wege zu einer neuen Schauspielausbildung – Wege zu einem neuen Theater? Von der Schule des Vieux Colombier zu den Schulen von Etienne Decroux und Jacques Lecoq. Frankfurt: Haag und Herchen 1996. – Murray, Simon: Jacques Lecoq. London [...]: Routledge 2003.


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2012


Verfasser: KB


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