Lexikon der Filmbegriffe

staged photography

dt. etwa: „bühnenmäßige Photographie“; manchmal: directorial photography; dt. gelegentlich: inszenierte Fotografie, Fototheater, szenische Fotografie, narrative Fotografie

In den Techniken der seit den 1980ern verbreiteten und begrifflich als eigenständig gekennzeichneten staged photography inszeniert der Fotograf ein vorfilmisches Szenario, in das Figuren/Personen, Gegenstände, Kostüme so arrangiert werden, dass der Eindruck einer bühnenartigen Inszenierung entsteht. Das Licht wird nach den Mustern eines artifiziellen Theater- oder Filmlichts eingesetzt. Die Verfahren einer derartigen Inszenierung werden eingesetzt, wenn historische Bildwelten nachzugestalten sind, aber auch, wenn die Bilder narrative oder allegorische Qualitäten tragen sollen. Sie schließen an die viktorianischen Strategien der tableaux vivants ebenso an wie an die surrealistische Fotografie, aber auch an die Bilder vor allem aus den 1930ern und 1940ern, denen dokumentarischer Charakter zugewiesen war, die tatsächlich aber Inszenierungen waren. Die Arbeiten Jeff Walls versuchten die Differenzen zwischen der extremen und meist auch für den Betrachter sinnfälligen Inszeniertheit von Bildern im Kontrast zu den Verfahren einer auf Spontaneität basierenden Schnappschuss-Fotografie.

Literatur: Garcia, Erin C.: Photography as fiction. Los Angeles, Cal.: J. Paul Getty Museum 2011. – Köhler, Michael: Constructed realities. The art of staged photography. Kilchberg [...]: Ed. Stemmle 1995 . – Pauli, Lori (ed.): Acting the part. Photography as theatre. [Katalog.] London [...]: Merrell 2006. – Walter, Christine: Bilder erzählen! Positionen inszenierter Fotografie: Eileen Cowin, Jeff Wall, Cindy Sherman, Anna Gaskell, Sharon Lockhart, Tracey Moffatt, Sam Taylor-Wood. Weimar: VDG 2002.


Artikel zuletzt geändert am 30.01.2012


Verfasser: KB


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