Lexikon der Filmbegriffe

Doppelrolle

engl.: dual role

Doppelrollen sind ein Sonderfall der Mehrfachrollen, wenn der gleiche Schauspieler gleichzeitig zwei verschiedene Figuren der Handlung spielt. Manchmal sind die beiden Rollen einander ungemein ähnlich


- wenn es sich um Zwillinge handelt, wie etwa in Start the Revolution Without Me, USA 1969, Bud Yorkin, Gene Wilder und Donald Sutherland zwei eineiige Zwillingspaare spielen,


- oder wenn eine Figur durch eine andere, ungemein ähnliche ausgewechselt wird wie in The Prize, USA 1963, Mark Robson, in dem Edward G. Robinson zwei Brüder spielt,


- wenn es um vertauschte Identitäten geht wie in der The-Prince-and-the Pauper-Variante Crossed Swords, USA 1977, Richard Fleischer, der Schauspieler Mark Lester beide Jungenrollen spielt,


- wenn man es mit Doppelgängern zu tun hat wie in Dave, USA 1993, Ivan Reitman, in dem Kevin Kline nicht nur den sterbenden Präsidenten, sondern auch dessen Double spielt.


Manchmal aber handelt es sich sogar um die Gegenrollen (in Il Marchese di Grillo, Italien 1981, Mario Monicelli, in dem Alberto Sordi nicht nur die Titelfigur, sondern auch seine Gegenfigur, den Kohlehändler Gasperino, spielt).


Sonderfälle der Doppelrolle sind dann gegeben, wenn der Schauspieler die gleiche Figur auf zwei verschiedenen Altersstufen (als junge und als alte Figur) oder wenn er die gleiche Figur in zwei verschiedenen Seinsweisen (etwa als Doppel von Dr. Jekyll und Mr. Hyde) spielt. Dann geht es um den gleichen Körper der Figur, der verschiedenes Aussehen annehmen kann. In der eigentlichen Doppelrolle dagegen spielt der Akteur zwei verschiedene Figuren – die Identität des Schauspielerkörpers signalisiert keine Identität der dargestellten Person, und es mag gerade mit diesem Widerspruch zu tun haben, dass die Unterschiede der Figuren so greifbar werden.


Rezeptionsästhetisch ist die Doppelrolle insofern interessant, weil sie einen eigenen rezeptiven Modus produziert, in dem die Identität des Schauspielers gegen die Differenz der Rollen steht, so dass fast notwendig eine deutliche ästhetische Distanz zwischen Diegese und Zuschauerrolle aufklafft. Die Illusionierung durch das Schauspiel wird zum Thema der Rezeption. Gerade darum ist die Doppelrolle in der Komödie sehr verbreitet, ist doch schon das Paradox, zwei Figuren durch den gleichen Schauspielerkörper realisiert zu sehen, ein (formaler und meist auch inhaltlicher) Lachanlass.

Referenzen:

Doppelgänger: Typologie

Doppelrolle: Altersdarstellung

Inkognito

Mehrfachrolle


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: KB


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