Lexikon der Filmbegriffe

Zeitraffung

In vielen Erzählungen ist es nötig, Zeit zu überspringen oder Zeit zu raffen. Dass die filmische Erzählungen eine Unzahl von kleineren oder größeren Zeitsprüngen enthält, vermag nicht zu überraschen. Manche Auslassung ergibt sich aus dem Handeln der Figuren, anderes wird durch Schrifttafeln oder einen Erzähler mitgeteilt (manchmal Sprungraffung genannt, die Auslassung damit in die Nähe der „echten“ Raffungen rückend). Interessanter sind die verschiedenen Formen der zeitlichen Raffung, die filmische Mittel dazu nutzen, das Vergehen der Zeit anzuzeigen, vor allem in Filmen, die das Vergehen der Zeit nur als einen Rahmen für Erzählinhalte nutzen und keiner zeitlichen, sondern einer zeitunabhängigen räumlichen oder thematischen Ordnung folgen. Unterschieden werden mehrere Formen: (1) Im Falle der durativen Raffung werden Zeitabläufe filmisch gerafft, die keinen Zusammenhang mit den Figuren der Handlung haben wie z.B. der Wechsel der Jahreszeiten, das Wachsen von Pflanzen u.ä. In Eldar Shengelayas bitterer Komödie Tsisperi mtebi anu daujerebeli ambavi (Blaue Berge, UdSSR 1983) etwa wird am Ende von Szenen auf ein Fenster abgeschwenkt; eine Überblendung folgt und zeigt die Veränderung der Pflanzen vor dem Fenster. (2) Die iterative Raffung dagegen zeigt Folgen von Bildern, die Figuren bei regelmäßigen Tätigkeiten zeigt, wiederkehrend-regelmäßige Vorgänge (wie das Beladen und Abfahren von Lastwagen) u.ä.. Der Wechsel der Kleidung zeigt an, dass man es nicht mit einem, sondern mit mehreren Kneipenbesuchen zu tun hat. In Conan the Barbarian (USA 1982, John Milius) etwa sehen wir den Helden in verschiedenen Stadien der Vorbereitung zu; oder in Dirty Dancing (USA 1987, Emile Ardolino) zeigt eine ganze Serie von Jump-Cuts die Heldin beim Einüben von Tanzbewegungen. (3) Zeitraffung kann auch durch Einsatz des filmischen Zeitraffers (also durch eine artifizielle Beschleunigung der dargestellten Zeit) ausgedrückt werden. Die verschiedenen Formen können miteinander kombiniert werden.

Literatur: Becker, Andreas: Perspektiven einer anderen Natur. Zur Geschichte und Theorie der filmischen Zeitraffung und Zeitdehnung. Bielefeld: Transcript 2004.

Referenzen:

Ellipse

Paralipse / Paralepse

Zeitraffer


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: HHM


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