Lexikon der Filmbegriffe

Telethon

Kofferwort zusammengesetzt aus television + marathon; vor allem in der Kritik üblich; im Dt. manchmal: Fernseh‑Spendengala

Als Telethon bezeichnet man eine Fernsehsendung, die zum Sammeln von Spenden für meistens gemeinnützige Zwecke veranstaltet wird, die mehrere Stunden oder auch Tage dauern kann. Telethons sind in fast allen Fernsehsystemen verbreitet. Bekannt sind insbesondere die diversen Rockkonzerte, die seit seit Concert for Bangladesh (1971) immer wieder veranstaltet wurden und deren Ziel es war, so viele Menschen wie möglich mit einer bestimmten Botschaft zu erreichen. Es ging beispielsweise um Hungersnöte („Feed the World“ - Live Aid, 1985), Armut („Make Poverty History“ – Live 8, 2005) und den Klimawandel („A Concert for a Climate in Crisis“ – Live Earth, 2007). Primäres Ziel wurde im Verlauf der Weiterentwicklung des Mega-Benefizkonzerts die Herstellung von Öffentlichkeit für die Themen und Anlässe der Konzerte, nicht so sehr das Einspiel bedeutender Geldsummen. Megakonzerte dieser Art finden oft an mehreren Orten gleichzeitig statt. Sie sind medial gleich in mehrere Verwertungsketten gleichzeitig eingebettet – von der manchmal tagelangen Radio- und Fernsehübertragen (neuerdings auch im Internet) über die Auswertung als Schallplatten und als CDs und Konzert-Filme. Ohne eine konsequente Medialisierung könnten die „globalen Konzert-Telethons“ nicht existieren, es sind paradoxerweise Medienkonzerte, so sehr auch Wert darauf gelegt wird, dass sie an realen Orten zelebriert werden. Der Veranstaltungstypus markiert das Zusammenwachsen von Veranstaltungs-, Musik-, Radio/TV-, Schallplatten- und Film- bzw. Videoindustrie.

Literatur: Jakobsen, Anne: „The Last Thing the Planet Needs Is a Rock Concert“: Das Spannungsverhältnis von Politik und Popkultur in der Konzeption großer Aid-Konzerte. In: Rock and Pop in the Movies, 2, 2012.


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: AJ HJW


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