Lexikon der Filmbegriffe

shomin-geki

japan. Bezeichnung für Volkstheater, Drama über gewöhnliche Menschen und kleine Leute; von japan. shomin = Volk, Masse + geki = Film

Bezeichnung für ein seit der Stummfilmzeit gepflegtes Genre des japanischen Films zwischen sozialkritischem Melodrama und zurückhaltender Komödie, in dem das gewöhnliche Leben der unteren Mittelschicht geschildert wird. In der Regel geht es um familiäre Konstellationen und sich daraus ergebende Konflikte. Als Subgenres werden gelegentlich genannt: Haha-mono (von japan. haha = Mutter + mono = Sache, Gegenstand), das das Alltagsleben und Schicksal von Müttern zeigt, und Lumpen-mono (nach dt. ‚Lumpenproletariat‘), in dem Schicksale aus der entwurzelten Arbeiterklasse der 1920/30er Jahre geschildert werden. Ein produktiver Großmeister des ruhig-poetischen Shomin-geki war (neben Regisseuren wie Yasujiro Shimazu, Heinosuke Gosho und Mikio Naruse) Yasujiro Ozu (1903-1963). Obgleich dieses dem gegenwartsrealistischen Gendai-geki zuzuordnende Genre seit den 1950er Jahren an Bedeutung verlor, überlebt es bis heute, zumal in TV-Produktionen, aber auch durch geschickte Revisionen wie etwa in Takeshi Kitanos Kikujiro no natsu (Kikujiros Sommer, 1999), einer Mischung aus Yakusa-geki und auf die Vater-Sohn-Beziehung umdefiniertem Haha-mono.

Literatur: Shomingeki. Eine Filmzeitschrift. Berlin 1995ff. – Grob, Norbert: Yasujiro Ozu. In: Filmregisseure. Hrsg. v. Thomas Koebner. Stuttgart: Reclam 1999, S. 506-508.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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