Lexikon der Filmbegriffe

Operettenfilm

oft auch irreführenderweise: Filmoperetten, Tonfilmoperetten

Als Operettenfilm bezeichnet man Filme meist deutscher oder österreichischer Herkunft, die auf Bühnenoperetten zurückgehen. Mit der Adaption der Oscar-Strauss-Operetten Ein Walzertraum (1925, Ludwig Berger) setzte noch während der Stummfilmzeit eine erste Welle von Filmen nach erfolgreichen Vorlagen der Zeit ein, die mit dem Aufkommen des Tons anschwoll – der Operettenfilm wurde eines der erfolgreichsten und publikumsträchtigsten Genres des deutschen Films der 1930er und 1940er Jahre. In den 1950ern trat die Mischung aus opulenter Ausstattung, Buntheit der Kostüme und Leichtsinnigkeit der Lebensführung in öffentlicher Wahrnehmung zurück, die reflexiven und manchmal satirischen Komponenten der Stücke passten nicht mehr zum Stil der Zeit; hinzu kam, dass die populäre Musik sich medialisierte, zunehmend von der Rezeption im Theater löste.
Manche Stücke erlangten erst mit der Verfilmung das Ansehen, das sie oft bis heute behalten haben; Carl Millöckers Der Bettelstudent (UA 1884) etwa bekam mit Johannes Heesters in der Adaption von 1936 (Regie: Georg Jacoby) seine letzte Prägung, so, wie die Figur des Graf Danilo in Die Lustige Witwe in der Darstellung durch Maurice Chevalier (USA 1934, Ernst Lubitsch) auf den Punkt begracht worden zu sein scheint. Die bekanntesten Stücke des Repertoires wurden mehrfach adaptiert (wie etwa die Léhar-Operette Die lustige Witwe, UA 1905, fünf Verfilmungen [davon nur eine in Deutschland, drei weitere allerdings von Emigranten!], oder Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza, UA 1924, drei Verfilmungen), was damit zusammenhängen mag, dass Operetten Mehrfachrezeptionen ertragen (weil sie musik- resp. schlagerdominiert sind), dass sie zudem als Vehikel für die Auftritte von Musikstars dienten und eine ganze Reihe eigener Stars hervorbrachte.

Literatur: Müller, Robert: Die Tonfilmoperette nach 1933 in Deutschland und im Exil. In: Wenn ich sonntags in mein Kino geh'. Ton – Film – Musik 1929-1933. Hrsg. von Rainer Rother. Bönen: Kettler [...] 2007, S. 135‑151. – Traubner, Richard: Der deutsche Operettenfilm vor und nach 1933. In: Operette unterm Hakenkreuz. Zwischen hoffähiger Kunst und "Entartung". Hrsg. v. Wolfgang Schaller. Berlin: Metropol 2007, S. 147‑169. – Uhlenbrok, Katja (Red.): MusikSpektakelFilm. Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film (1922-1937). München: Edition Text + Kritik 1998.

Referenzen:

Filmoperette

Sängerfilm

Schlagerfilm


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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