Lexikon der Filmbegriffe

Shitstorm

von engl.: shit = Scheiße + storm = Sturm; dt. etwa: Empörungswelle

Shitstorm
bezeichnet in der deutschen Sprache ein Internet‑Phänomen, bei dem massenhafte öffentliche Entrüstung sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt. Ein typischer Shitstorm umfasst Blogbeiträge oder ‑kommentare, Twitternachrichten oder Facebook‑Meldungen. Dabei richtet sich die Empörung in zumeist aggressiver, beleidigender, bedrohender oder anders attackierender Manier gegen Konzerne, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen, etwa Parteien oder Verbände. Das Phänomen trat in den 1980ern zum ersten Mal auf; im Deutschen bürgerte sich der Begriff ein, als mit dem Aufkommen des Web-2.0 und der Social Media breitere Teilnahmeformen am öffentlichen Diskurs entstanden. Die Verlaufsform eines Shistorms ist relativ stereotyp: Nach einem realen Konflikt zwischen einem einzelnen (oder einer Gruppe einzelner) und einer Firma oder einer Institution, der zu keiner Einigung führte, startet der  Reputationsangriff in Blogs und sozialen Netzwerken, der zunehmend Eigendynamik entwickelt und zunehmend unsachlich und emotional geäußert wird, sich durch die Betroffenen kaum noch moderieren lässt.
Ein bekanntes Beispiel: Die Umweltorganisation Greenpeace fand Anfang 2010 heraus, dass bei der Palmöl‑Produktion für Nestlés Produkt KitKat Lebensräume von Orang‑Utans zerstört und die Population der Primaten dadurch gefährdet wurde. Greenpeace startete daraufhin eine Social‑Media‑Kampagne gegen Nestlé/KitKat, produzierte zu dem Zweck auch ein abschreckendes Video. Dass die Kampagne zu einem Shitstorm wurde, lag unter anderem an Nestlé selbst: Durch das Abschalten von Fansites und vor allem durch das Verbot des Videos setzte der sogenannte Streisand‑Effekt ein. Das Video wurde mehrfach neu hochgeladen, die Kampagne gewann an Bekanntheit und Nestlé erfuhr einen großen Reputationsschaden. Mittlerweile hat sich das Unternehmen aufgrund öffentlichkeitswirksamer Gegenmaßnahmen davon erholt.

Literatur: Scherg, Christian: Rufmord im Internet. So können sich Firmen, Institutionen und Privatpersonen wehren. Berlin: Ambition 2011. – Zegart, Dan: Dan Civil warriors. The legal siege on the tobacco industry. New York: Delacorte Press 2000.


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: W


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