Lexikon der Filmbegriffe

Rache

auch: Rachegeschichten, Rachemotiv; engl.: revenge story

Eines der wichtigsten narrativen und psychologischen Motive im Spielfilm, das als in vielen unterschiedlichen Handlungen als Auslöser und roter Faden gleichermaßen fungiert. Dabei wird die Rache auffallend oft als legitime und moralisch notwendige Vergeltungsmaßnahme für eine in der Vergangenheit erlittene Ungerechtigkeit und Qual dargestellt. Das gilt besonders für männliche Figuren in Western, Abenteuer- und Kriegsfilmen sowie in zahllosen Kriminalfilmen und Thrillern, bei denen die Rächerfigur entsprechend im Zentrum steht. Weiblichen Figuren dagegen wird eine moralische Notwendigkeit oft angezweifelt oder sogar aberkannt, und die Gründe für ihre Rache sind nicht selten „zweifelhaft“ oder „banal“ (wenn etwa eine tragische Liebe schuldhaft beendet wird). Und selbst wenn der Grund für die Rache gewichtig ist und zum Beispiel in einem Sexualdelikt liegt, so gewinnt die Rache befremdend oft „hysterische“ Züge, die die Opfer zu unkontrollierbaren und unverhältnismäßigen Täterinnen werden lässt (darin ihren männlichen MOtivnachbarn erstaunlich ähnlich).

Beispiele: Die Nibelungen: Kriemhilds Rache (Deutschland 1924, Fritz Lang); Cape Fear (USA 1961, Lee Thompson); Pasti, Pasti, Pasticky (Tschechien 1998, Vera Chytilová).

Literatur: Charnes, Linda: Dismember me: Shakespeare, paranoia, and the logic of mass culture. In: Shakespeare Quarterly 48,1, 1997, S. 1‑16. - French, Peter A: The virtues of vengeance. Lawrence: University Press of Kansas 2001. – Kerrigan, John: Revenge tragedy. Aeschylus to Armageddon. Oxford: Clarendon Press [...] 1997. – Lehman, Peter: The male body within the excesses of exploitation and art: Abel Ferrara's Ms. 45, Cat Chaser, and Bad Lieutenant. In: Velvet Light Trap, 32, Fall 1993, S. 23‑29.


Artikel zuletzt geändert am 02.03.2012


Verfasser: PB


Zurück