Lexikon der Filmbegriffe

cinéma naïveté

Ähnlich wie Roger Odin (der von einem „privaten Modus der Repräsentation“ spricht) definiert der amerikanische Soziologe Richard Chalfen den Amateurfilm als einen eigenständigen Modus nicht nur des Filmemachens, sondern auch einer abweichenden Semiotisierung des Realen, die unbeabsichtigterweise eine Reihe von Berührungspunkten mit der Arbeit avantgardistischer Filmemacher hat. Die Naivität dieser Filme setzt eine gemeinschaftliche und verbindliche Überzeugung von der Geltung von Ordnungs- und Sinnstrukturen voraus, die Filmemachern und -rezipienten gleichermaßen zukommt. Deshalb ist die Rezeption dieser Filme eine Agentur der kollektiven Rückversicherung der belief systems, die die Beteiligten vereinen.

Literatur:  Chalfen, Richard: Cinéma Naïveté: A study of home moviemaking as visual communication. In: Studies in the Anthropology of Visual Communication 2,2, 1975, S. 87‑103. – Ishizuka, Karen L. / Zimmermann, Patricia Rodden (eds.): Mining the home movie. Excavations in histories and memories. Berkeley [...]: University of California Press 2008. – Roepke, Martina: Privat‑Vorstellung: Heimkino in Deutschland vor 1945. Hildesheim: Georg Olms 2007. 


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2012


Verfasser: KB


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