Lexikon der Filmbegriffe

cinéma du métissage

manchmal: métissage films; engl.: cinema of inbetween; dt. gelegentlich: Kino der doppelten Kulturen

Die Bezeichnung Kino der doppelten Kulturen sucht die Zugehörigkeit von Filmemachern zu zwei verschiedenen politischen, sozialen und kulturellen Systemen gleichzeitig als eine besondere biographische Voraussetzung herauszustellen, die in die Arbeit einer ganzen Reihe von Filmemachern eingegangen ist. Das Thema der Filme ist einerseits die Entstehung hybrider Formen der Kulturen (in der Gestalt künstlerischer Produktion ebenso wie in Veränderungen des Alltagslebens), andererseits die Gemengelage von Konflikten, die vor allem in den Familien der Immigranten das Alltagsleben durchziehen. Vor allem der Konflikt zwischen Eltern, die an ihrer ursprünglichen Kulturzugehörigkeit festhalten, und Kindern, die eine neue, oft aus Altem und Neuem gemischte Form kultureller und nationaler Identität zu entwickeln suchen, ist vielfach dramatisiert worden. Métissage-Filme stammen nicht nur aus Frankreich – Le Thé au Harem d'Archimedes (1985, Mehdi Charef) ist einer der ersten Filme, die der Gruppe von Filmen unmittelbar angehören –, sondern zunehmend auch aus Deutschland; hier sind es vor allem Filmemacher türkischer Herkunft (wie Fatih Akin, Thomas Arslan, Aysun Bademsoy oder Kutlug Ataman), die sich mit Ursachen und Umständen der Migration selbst, mit der ersten Begegnung mit der neuen Kultur, mit der Spannung zwischen Isolation, dem Wunsch nach Rückkehr und dem nach Integration und Heimat und schließlich mit der Neuformierung kulturellen Zugehörigkeitsgefühls auseinander setzen.

Literatur: Burns, Rob: Turkish‑German cinema: From cultural resistance to transnational cinema? In: David Clarke (ed.): German Cinema Since Unification. London/New York: Continuum 2006, S. 127‑150. - Göktürk, Deniz: Beyond Paternalismus. Türkish German Traffic in Cinema. In: Tim Bergfelder, Erica Carter und Deniz Göktürk (eds.): The German Cinema Book. London: BFI 2002, S. 248-256. –  Kratzer‑Juilfs, Silvia: Return, Transference, and the Constructedness of Experience in German/Turkisch Dokumentary Film. In: Diane Wiedmann / Janet Walker (eds.): Feminism + Documetary. Minneapolis/London: Universtity of Minnesota Press 1999, S. 187-201. – Seeßlen, Georg: Das Kino der doppelten Kulturen. Erster Streifzug durch ein unbekanntes Kino-Terrain. In: epd Film, 12, 2000, S. 22-29.

Referenzen:

accented cinema

cinéma beur

diasporisches Kino

Emigration

Transkulturalität


Artikel zuletzt geändert am 20.12.2012


Verfasser: CA


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