Lexikon der Filmbegriffe

throughline

manchmal auch: spine; in der dt Übersetzung der Arbeiten Stanislawskis: „Überaufgabe“

Das Konzept der throughline wurde erstmals wohl von Konstantin Staniskawski formuliert, der die Schauspieler dadurch nicht nur zur inneren Nachbildung der einzelnen Figur anhalten wollte, sondern zur Modellierung der Figurenkonstellation einer Geschichte, ihrer Gemeinsamkeiten ebenso wie der Konfliktlinien zwischen ihnen. Die gegebene Situation, das Handeln der Figuren und die Abschätzung ihrer Handlungsmöglichkeiten, ihre Klassenherkunft und die damit zusammenhängenden Befangenheiten, Einstellungen, Ängste und Wünsche, die Vor- und Hintergrundgeschichten, die historischen Bedingungen, in denen die Geschichte spielt: Es ist eine Unmenge von Aspekten, die in der Rollenanalyse aller beteiligten Figuren zusammengebracht werden müssen, bevor die „Überaufgabe“ des Stücks erkennbar und in schauspielerisches Handeln umsetzbar erscheint, bei dem die Einheit des dargestellten Charakters bewahrt werden kann und gleichzeitig ein Zusammenhang seiner Entscheidungen, Handlungen und Lernprozesse im Verlauf der Geschichte erkennbar wird.

Literatur: Stanislawski, [Konstantin Sergeevic]: Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst. Tagebuch e. Schülers. 1. Die Arbeit an sich selbst im schöpferischen Prozess des Erlebens. Berlin: Henschelverlag Kunst u. Gesellschaft 1961, S. 292-306. - Stanislawski, [Konstantin Sergeevic]: Die Arbeit des Schauspielers an der Rolle. Fragmente eines Buches. Berlin: Henschelverlag  1955, S. 40-50. – Wardetzky, Dieter: Über die Tätigkeit des Schauspielers. Aspekte zur Arbeit des Schauspielers an der Rolle und zur Darstellung der Figur im Schauspiel, Spielfilm u. Fernsehspiel. 1.2. [Berlin]: Betriebsakademie des VEB DEFA Studio für Spielfilme  1985.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS


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