Lexikon der Filmbegriffe

crisis

dt.: Krise

Eher alltagssprachlicher Begriff aus der Drehbuchliteratur. Er bezeichnet den Moment in der Entwicklung der Geschichte, in dem der Held mit der Erkenntnis konfrontiert ist, dass er alles verloren hat, was ihm wert ist, und dass alles vorangegangene Handeln erfolglos geblieben ist – und in dem er sich entschließen muss zu handeln. Oft korrespondiert der Krise eine Entscheidungssituation. Wenn der Mann in der Scheidungsgeschichte Kramer vs. Kramer (USA 1979, Robert Benton) das Sorgerecht für seinen Sohn verliert, muss er entweder in Berufung gehen oder das Urteil akzeptieren, um seinen Sohn vor dem Konflikt der Eltern abzuschirmen; er entschließt sich zu letzterem, ist nun aber den Konsequenzen ausgesetzt, will er den Sohn wirklich schützen. Die crisis ist in dieser Auffassung der Übergang in die folgende Anbahnung der Katastrophe oder der finalen Lösung. Sie bezeichnet auch eine letzte Klärung der eigentlichen Handlungsmotive des Helden, oft auch die Voraussetzungen für den Charakterwandel, den er in der Phase nach der Krise durchmacht. Geschichten können mehrere Krisen enthalten, die oft aufeinander aufbauen und den Charakter schichtweise offenlegen, bis an seine tiefsten Motivationen gerührt wird.
 

Referenzen:

Krise / Krisis / crisis


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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