Lexikon der Filmbegriffe

Fehlbesetzung

engl.: miscast

Als Fehlbesetzung wird eine Schauspielerin oder ein Schauspieler dann von der Kritik oder dem Publikum empfunden, wenn sie oder er die Rolle unglaubwürdig verkörpert oder wenn das Schauspieler-Image nicht zur Filmfigur passt. Die Filmgeschichte ist reich an Beispielen. Immer wieder genannt wird Paulette Goddard als Lucrezia Borgia in Bride of Vengeance (USA 1949, Mitchell Leisen), John Wayne in der Rolle des Temujin (= Dschingis Khan) in The Conqueror (USA 1956, Dick Powell), Tony Curtis als Wikinger in The Vikings (USA 1958, Richard Fleischer) oder Raquel Welch als Steinzeitfrau in One Million Years BC (USA 1966, Don Chaffey). Große Produktionen lassen in manchen Fällen bis heute erste Filmausschnitte einem Testpublikum vorführen, um ggfs. umzubesetzen; ein prominentes Beispiel hierfür ist die Rolle des Marty McFly aus Back to the Future (USA 1985, Robert Zemeckis) – man hatte schon große Teile des Films mit Eric Stoltz abgedreht, ersetzte diesen jedoch schließlich durch den damaligen TV-Jungstar Michael J. Fox. Letztlich entscheidet das Publikum, ob es eine Rollenverkörperung akzeptabel findet oder nicht. Manchmal scheiden sich die Geister (wenn manche z.B. Heinz Rühmann als Verkörperung der Kommissar-Maigret-Figur glaubhaft finden, andere dagegen nicht [Maigret und sein größter Fall, BRD 1966, Alfred Weidenmann]).


Ein Sonderfall ist die Besetzung von Rollen gegen das Image, das die Stars in den Film einbringen (casting against type). So wurde Marlon Brando als skrupelloser Agent von Sklavenhaltern in Queimada! (Italien/Portugal 1969, Gillo Pontecorvo) besetzt, obwohl (oder weil) sein Engagement für die amerikanische indigene Bevölkerung und für die Bürgerrechtsbewegung bekannt war. Auch Pierce Brosnans Rolle in The Taylor of Panama (USA/Irland 2001, John Boorman) stand in offenem Konflikt mit seiner einstigen Rolle als James Bond. 


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2012


Verfasser: DM JH


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