Lexikon der Filmbegriffe

goat gland film

der im Dt. kaum wiederzugebende Ausdruck (etwa „Ziegenhodenfilme“) spielt wohl auf die betrügerischen Operationen des Arztes Dr. John R. Brinkley an, der ausgangs der 1920er vorgab, männliche Impotenz durch das operative Einsetzen von Ziegenhoden in den Hodensack heilen zu können

Goat gland movies sind in der Zeit der Umstellung der amerikanischen Kinos auf Tonfilm entstanden. Es handelt sich dabei um Filme, deren Dreharbeiten bereits zu weit fortgeschritten waren, um sie in Gänze als Tonfilme zu realisieren. Vielmehr wurden einzelne Dialogszenen, oft auch musikalische Szenen eingefügt, mit denen man die Filme an die sich so radikal verändernde Marktsituation anzupassen versuchte. Umgekehrt ließen sich die Dialogszenen auch ohne synchronisierten Ton vorführen und mittels eingefügter Titel problemlos für die ältere Auswertung als Stummfilme umarbeiten. Meistens handelte es sich bei den goat gland movies um Remakes bereits erfolgreich als Stummfilme ausgewerteter Filme (wie The Green Goddess, 1930, Alfred E. Green, White Shadows in the South Seas, 1927 [Tonfassung: 1928], W.S. Van Dyke, oder The Phantom of the Opera, 1929, Robert Julian, der neugedrehte Dialogszenen sogar mit einer 1925 entstandenen Stummfilmversion kombinierte). Die Goat-Gland-Phase endet 1930 – die Hollywood-Produktion war vollständig auf Tonfilm umgestellt.

Literatur: Belton, John: Awkward Transitions: Hitchcock's Blackmail and the Dynamics of Early Film Sound. In: The Musical Quarterly 83,2, Summer 1999, S. 227‑246. 
 

Referenzen:

part-talkie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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