Lexikon der Filmbegriffe

naiver Film (1)

Heute ungebräuchliche Bezeichnung für die Filme der Frühzeit des Kinos (1895 bis ca. 1910), die sich auf naive Darstellungsformen zurückzogen, weil die Differenzierung der filmischen Ausdrucksformn und deren Semantik noch unentwickelt waren. Es waren nach dieser Auffassung die einfachen Formen der Jahrmarktsunterhaltung – Féerien, Zauberkunststücke, Zirkusnummern, Music-Hall-Attraktionen, Performances des Vaudeville-Theaters und dergleichen mehr –, die filmisch reproduziert wurden, wobei die Kürze der Filme zudem zu einer Verkürzung und Typisierung der Handlungen zwang. Gerade diese Tatsache führte in den 1920ern zu einer produktiven Rezeption der älteren Formate durch surrealistische Filmemacher. 

Literatur: Scheugl, Hans / Schmidt, Ernst, Jr.: Eine Subgeschichte des Film. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms. 2. Frankfurt: Suhrkamp 1974, S. 633-646.
 

Referenzen:

naiver Film (2)

naiver Film (3)

Naivität im Film

Ökologie I

Primitive

Wiegenfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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