Lexikon der Filmbegriffe

Dramatisierung

engl.: dramatization

(1) Wohl aus der Literaturwissenschaft stammende Bezeichnung für die Bearbeitung eines epischen Stoffes für das Theater (und für den Film), der dabei an die Darstellungsmöglichkeiten des Theaters oder des Films angepasst werden muss. Notwendig ist dazu meist eine Raffung und Essentialisierung der Handlung sowie eine Konzentration auf eine zentrale, den Text am Ende regierende Handlungs- oder Konfliktlinie. Es müssen dramatische Rollen gefunden, das narrative Nacheinander der Geschehnisse und die Kausalität, die sie miteinander verbindet, präzisiert werden. Die persönliche Verarbeitung des Zustoßenden, des Zugefügten und des eigenen Tuns tritt in den Hintergrund. Fast immer muss eine Dialogfassung erstellt werden (und selbst die Nutzung einer Voice-Over-Erzählerstimme dient eher dazu, den Erzähler im Spiel zu behalten als Reste der ursprünglichen Erzählung zu erhalten).

(2) Alltägliche Kommunikationsstrategie, durch Überbetonung und Emotionalisierung, durch das Einbetten eigentlich marginaler Themen oder Vorfälle in größere und grundlegende Konfliktlinien, durch Personalisierung und Benennung von Gegnern, durch Moralisierung und ähnliches mehr einen Gegenstand-in-Rede in einer unverhältnismäßig großen Bedeutung darzustellen. Jemandem vorzuhalten, er dramatisiere, ist fast immer ein Vorwurf, beklagt die Unproduktivität des Verfahrens und bittet den Dramatisierer um Mäßigung; er ist oft verbunden mit der Kritik am Kommunikationspartner, sei es, dass er die Unverhältnismäßigkeit der Darstellung erst produziere, sei es, dass man ihm vorwirft, er dramatisiere, um sich selbst Geltung zu verschaffen. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHM


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