Lexikon der Filmbegriffe

Filmosophie

engl.: filmosophy; Kofferwort aus Film + Philosophie

Filmosophie bezeichnet eine von Daniel Frampton vorgeschlagene These, dass Film eine eigene Form des Denkens inkorporiere, die auf die spezifische imagistische Existenzform der filmischen Elemente bzw. des filmischen Textes  zurückzuführen sei. Film ist demzufolge nicht eine symbolische Erscheinungsform des menschlichen Denkens, sondern verkörpert eine eigene, nicht-menschliche Form des Geistes (Frampton spricht von filmind). Filmische Strukturen sind nicht analog zum menschlichen Denken, sondern eigenständig. Sie implizieren Ordnungen des Raums, der Zeit und der Subjektivität, die sich von den angestammten Ordnungen (in der Praxis, in der Sprache etc.) massiv unterscheiden. Die Unmittelbarkeit, mit der Film auf uns einwirkt, wirkt danach wie ein Schock, der die Distanz zwischen Zuschauer und Film (resp. filmischer Realität) zum Zusammenbruch bringt. Das Filmosophie-Konzept ist explizit anti-kognitivistisch und lehnt darum auch semiotische oder strukturfunktionalistische Formen der Filmanalyse ab. Frampton beruft sich auf ähnliche Konzepte einer Unmittelbarkeit ästhetischen Erlebens, wie sie z.B. von dem Theatermann Antonín Artaud, dem Komponisten Jean-Louis Schefer oder dem Philosophen Stanley Cavell vertreten worden sind.

Literatur: Frampton, Daniel: Filmosophy. London: Wallflower Press 2006. – Frampton, Daniel: Notes on Filmosophy: A Reply to Reviews. In: New Review of Film and Television Studies 6,3, Dec. 2008, pp. 365‑374. 


Artikel zuletzt geändert am 22.03.2012


Verfasser: HJW


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