Lexikon der Filmbegriffe

Stegreifspiel

engl.: improvisation; auch: improptu, ad lib, extemporizing

(1) Das Stegreiftheater ist eine Form des Theaters, bei dem die Schauspieler „aus dem Stegreif“ spielen – fast ohne Vorbereitung. Die Figuren und die Szenenfolge sind zwar meistens festgelegt, die Dialoge sind aber dem Einfallsreichtum der Schauspieler überlassen. Es hat sich in seinen heutigen Formen aus der Commedia dell’arte entwickelt und ist eine Vorform des modernen Improvisationstheaters. Auch im Film wird immer wieder mit Formen des Stegreifspiels bearbeitet; auch dann sind die Charaktere vorgezeichnet, der Gang der Handlung ist weitestgehend festgelegt; die Ausführung des szenischen Handelns und die Dialoge bleiben aber dem Schauspiel überlassen (wobei die Akteure oft auch schon bei der Ausarbeitung der Handlungslinie und der Szenen beteiligt gewesen sind).

Literatur: Book, Stephen: Book on acting: Improvisation technique for the professional actor in film, theater & television. Los Angeles: Silman‑James Press 2002. – Ferreccio, Giuliana / Racca, Davide (a cura di): L' improvvisazione in musica e in letteratura. Torino: L'Harmattan Italia 2007. – Mouëllic, Gilles: Improviser le cinéma. Crisnée: Yellow Now 2011.

(2) Der Begriff entstammt der Praxis psychodramatischer Therapie von Moreno, der in den 1920er Jahren seinem Hauptwerk den Titel „Stegreiftheater“ gegeben hat. Es geht dabei um spontane Gefühls‑ und Gedankenäußerungen, die sich in bestimmten Rollenkonstellationen einstellen. Dabei geht es für die Beteiligten immer darum, in der Innensicht Rollen zu handeln und aus diesen heraus sich die Einsicht in eigene Strukturen oder für Strategien zur Verhaltensänderung zu erwerben. Der Begriff ist eng gekoppelt mit dem Begriff der Rolle und des Rollenspiels. Die Methoden des Stegreiftheaters finden sich heute auch in der systemischen Thearpie, insbesonders in G. Hellingers Familienaufstellungen.

Literatur: Marschall, Brigitte: "Ich bin der Mythe". Von der Stegreifbühne zum Psychodrama Jakob Levy Morenos. Wien [...]: Böhlau 1988. 


Artikel zuletzt geändert am 22.03.2012


Verfasser: CA


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