Lexikon der Filmbegriffe

Regionalität (1)

Neben regional unspezifischen Medien, die ganze Sprachräume abdecken, finden sich eine Vielzahl regional spezifischer Medien. In kulturwissenschaftlicher Forschung wird der „konstruierte Raum“, der durch politische Grenzen definiert wird, vom „natürlichen Raum“ unterschieden, der durch historisch gewachsene Zusammengehörigkeitsformen (hinsichtlich Sprache, Brauchtum, narrative Stile u.ä.) definiert ist, und vom „aktuellen Kommunikationsraum“, der auf Kontaktgeflechten, Erfahrungsreichweiten und Interessenhorizonten der Bezeiligten aufbaut. Regionen in diesem zweiten Sinne sind sozial definiert, sie werden in der sozialen Praxis der Bewohner hervorgebracht. Auch wenn heute funktionale Bestimmungen von Zugehörigkeit zu kulturellen Subgruppen die Dominanz des Regionalen zurückgedrängt haben, spielt regionale Bindung nicht nur im Zeitungswesen (als Lokalblätter, manchmal spezifiziert durch eigenständige Lokalteile etc.), sondern auch im Radio und zunehmend im Fernsehen eine gewichtige Rolle, scheint doch die Medienselektion von Regionalität beeinflußt zu sein. Gerade das kulturpolitische Programm eines „Europa der Regionen“ hat die Pflege regionalen Kulturguts zum Zentrum gemacht.

Literatur: Ellwein, Thomas / Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.): Regionen – Regionalismus – Regionalentwicklung. Oldenburg: Isensee 1996. – Klingler, Walter: Regionalisierung im Rundfunk. Eine Bilanz der Entwicklung seit 1975. Konstanz: UVK 2001 (Jahrbuch Medien und Geschichte. 2001.). – Koebner, Thomas: Regionalismus und Globalismus. Stärken des neueren "Cinema Europa" In: Medienhochschulen und Wissenschaft: Strukturen, Profile. Hrsg. v. Karl Friedrich Reimers. Konstanz: UVK Medien 2001, S. 58‑69. 


Artikel zuletzt geändert am 22.03.2012


Verfasser: AS


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