Lexikon der Filmbegriffe

episodisches Erzählen

Es gibt große Gruppe episodisch erzählter Filme, bei denen zwar eine Verbindung bzw. ein Kontakt der einzelnen Erzählstränge bzw. Protagonisten innerhalb der Diegese zustande kommt und die deshalb nicht der Gruppe der Episodenfilme zuzurechnen sind, die jedoch auch weder eine Reigenstruktur aufweisen noch den Filmen mit einer Rahmenhandlung oder einem Einzelprotagonisten angehören. Bei den episodisch erzählten Filmen kann man nochmals zwischen zwei Unterkategorien unterscheiden: Einerseits gibt es Filme, deren Protagonisten nur aneinander vorbeistreifen, ohne sich zu kennen oder ihre Geschichten wechselseitig zu beeinflussen, wie dies z.B. in Nachtgestalten (BRD 1999, Andreas Dresen) oder Mystery Train (USA 1989, Jim Jarmusch) der Fall ist. Andererseits gibt es Filme, deren Handlungsstränge unauflösbar miteinander verwoben sind, wie z.B. in Traffic (USA 2000, Steven Soderbergh) oder 11:14 (USA 2003, Greg Marcks), und für sich alleine stehend unvollständig oder sogar gänzlich unverständlich wären. Diese beiden Ausformungen stellen die beiden äußeren Pole einer weiten Skala dar, auf der sich die unterschiedlichsten Spielarten episodischen Erzählens bewegen. Weiterhin kann man unterscheiden zwischen Filmen, die ein begrenztes Figurenarsenal aufweisen und solchen, die eine beinahe unüberschaubare Anzahl an Figuren interagieren lassen, wie dies vor allem in den episodischen Filmen Robert Altmans der Fall ist. Diese beiden Formen werden bei David Bordwell als ensemble bzw. network narratives benannt.

Literatur: Bordwell, David: The Way Hollywood Tells It. Story and Style in Modern Movies. Berkeley/Los Angeles/London: University of California Press 2006, v.a. 72-103.  – Bruns, John: The Polyphonic Film. In: New Review of Film and Television Studies 6, 2008, S. 189-212. – Smith, Evan: Thread Structure: Rewriting the Hollywood Formula. In:  Journal of Film and Video 51,3-4, 1999, S. 88-96.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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