Lexikon der Filmbegriffe

Fake-Trailer


seltener: Pseudo-Trailer

Kurzfilme, die suggerieren, Trailer für Filme zu sein, der aber gar nicht existieren. Bei normalen, aus Filmszenen zusammengeschnittenen Trailern bleiben die entstandenen Auslassungen meist Unbestimmtheitsstellen, die eine Rätselspannung bezüglich des Handlungsverlaufs erzeugen. Fake-Trailer hingegen ermöglichen es typischerweise den Zuschauern, die vermeintlichen Auslassungen mittels ihres Genrewissens als Leerstellen zu ergänzen. So bezieht sich schon ein Fake-Trailer von 1934, Schnarzan the Conquerer (er findet sich in Hollywood Party, USA 1934, Richard Boleslawski, Allan Dwan, Roy Rowland), auf den filmischen Prätext Tarzan the Ape Man (USA 1932, W.S. Van Dyke). Oft lassen sich die beworbenen Filme klar einem Genre zuordnen, wie in den Fake-Trailern aus Kentucky Fried Movie (USA 1977, John Landis): Catholic Schoolgirls in Charge = Sexfilm; That's Armageddon = Katastrophenfilm; Cleopatra Schwartz = Blaxploitation. Titel, Handlungselemente, Schauspieler, bekannte Filmmusik sowie die Schrifttypen der Einblendungen weisen auf die generischen Verwandtschaften hin. Eine Sonderform der Intertextualität ist das Mash-Up, wobei zwei (oft gegensätzliche) Filme oder Genres verbunden werden wie etwa im Fake-Trailer Jane Austen's Fight Club. Als eigenständige Form des Kurzfilms etabliert sich der Fake-Trailer endgültig mit Robert Rodriguez' und Quentin Tarantinos Double-Feature Grindhouse (USA 2007), in dem zwischen den beiden Hauptfilmen Fake-Trailer gezeigt wurden (Machete, Werewolf Women of the SS, Thanksgiving, Don’t, Hobo with a Shotgun). Deren genreprägende Bedeutung wird u.a. daran deutlich, dass mit Hans mit dem Schrotgewehr nicht nur inzwischen auch eine deutsche Version von Hobo with a Shotgun gedreht worden ist, sondern dass zwei der beworbenen Filme aufgrund von Zuschauerreaktionen tatsächlich gedreht worden sind.
Neben professionell produzierten und über Kino, DVDs und Fernsehausstrahlungen verbreiteten Fake-Trailern hat sich eine Fake-Trailer-Kultur auf Internetvideoplattformen etabliert. Dort finden sich etwa diverse Fake-Trailer zu Verfilmungen vor allem älterer, simpler, nicht oder kaum narrativer Computerspiele wie Pac-Man oder Minesweeper.



Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: MR


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