Lexikon der Filmbegriffe

Mehrfachkodierung


engl.: multi-layering

Zu den Bestimmungselementen postmoderner Texte gehört neben der Auflösung der Kanonbindung, labyrinthischem Erzählen und einer allgemeinen Tendenz zur Bildung hybrider Formen auch das Spiel mit Irrealismen, Fragmentarisierungen, Ironisierungen, Genrezitaten auch die Mehrfachkodierung von Texten. Gemeint ist damit zunächst einmal die recht trivial erscheinende Vielfalt der Möglichkeiten, einen Text zu lesen und mit Bedeutungen zu füllen, abhängig von Voreinstellungen der Lektüre und vom Wissenshintergrund des Rezipienten. So kann ein Krimi zugleich eine unterhaltsame Auseinandersetzung um ein wissenschaftliches Thema sein. Im postmodernen Text können verschiedene Wert- und Bedeutungsebenen einander gegenübergestellt bzw. miteinander verschachtelt werden – und womöglich geraten sie in ein Spannungsverhältnis, auf dem  wiederum ironische Brechungen und parodistische Einschübe sich aufrichten können. Neben Filmen von David Lynch werden auch Werke wie Zeit des Zorns / Shekarchi (BRD/Iran 2010, Rafi Pitts) über Leben und Identität im zeitgenössischen Iran als Beispiele für den systematischen Umgang mit den Möglichkeiten der Mehrfachkodierung genannt. Allerdings entzündet sich vor allem an den Beispielen die Frage, inwieweit Doppel- oder Mehrfachkodierung tatsächlich nur postmodernen Texten zukommt oder ob es sich nicht vielmehr um eine viel allgemeinere Qualität von Texten (resp. ihrer Rezeption) handelt.

Literatur: Höltgen, Stefan: Spiegelbilder. Strategien der ästhetischen Verdopplung in den Filmen von David Lynch. Hamburg: Kovac 2001. – Welsch, Wolfgang: Unsere postmoderne Moderne. Weinheim: VCH, Acta Humaniora 1987. 



Artikel zuletzt geändert am 14.04.2012


Verfasser: HJW


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