Lexikon der Filmbegriffe

unidentifizierbares Klangobjekt

nach dem Muster der Redeweise vom UFO gebildet = unidentified flying object / unidentifiziertes Flug-Objekt

In ihrem Buch Sound Design spricht Barbara Flückiger von „unidentifizierten“ oder gar „unidentifizierbaren Klangobjekten“ (UKOs), die sich keiner Quelle zuordnen lassen. Sie zeichnen sich durch hohe Ambiguität aus und verweigern dem Zuschauer Hinweise auf seine Verursachung oder Bedeutung; sie sind offene, undeterminierte Zeichen, deren Vagheit verwundbare Offenheit und gleichzeitig neugierige Spannung erzeugt. Sie sind Leerstellen im Text und zugleich Projektionsflächen für die individuelle, subjektive Bedeutungserzeugung des Zuschauers. Die Reaktionen auf nicht ortbare Klänge und die damit einhergehenden Gefühle von Verunsicherung und Kontrollverlust können von leichter Nervosität bis zu (zumindest latent unkontrollierbarer) Panik reichen. UKOs finden darum Einsatz insbesondere im SF- und Horrorfilm, einerseits basierend auf der dramaturgischen Hypothese, dass, je länger Unsicherheit aufrecht erhalten wird, desto stärkere Angst- und Unsicherheitsgefühle beim Zuschauer ausgelöst werden, anderseits in der Hoffnung, dass gerade mittels UKOs die dargestellte Handlungswelt als mysteriös und latent gefahrbringend charakterisiert werden kann.

Literatur: Flückiger, Barbara: Sound Design. Die virtuelle Klangwelt des Films. Marburg: Schüren 2001.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: KB


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