Lexikon der Filmbegriffe

episches Theater

Auf Bertolt Brecht zurückgehendes Inszenierungskonzept im Gegensatz zum dramatischen Theater, wobei nicht Gefühle der Zuschauer angesprochen werden sollen, sondern ihr Verstand. Theater wird als Stätte der Einsicht und Erkenntnis verstanden, die Zuschauer sollen als Betrachter, nicht als emotional Beteiligte angesprochen werden. In diesem Sinne werden Verfremdungseffekte eingesetzt, die die Identifizierung der Zuschauer verhindern sollen: kommentierende Sprecher auf der Bühne, in die Handlung eingeschobene Lieder, Spruchbänder, projizierte Texte. Eine abgeschlossene Handlungsillusion soll damit aufgebrochen werden. Das epische Theater steht klar im Horizont aufklärerischer Interessen – es will gesellschaftliche Verhältnisse transparent machen und Veränderungen bewirken, indem die Zuschauer aktiviert werden. Brechts Überlegungen spielen bis heute auch für den Film eine gewichtige Rolle und sind von diversen Filmemachern in die Inszenierung einbezogen worden.

Literatur: Kleber, Pia / Visser, Colin (eds.): Re‑interpreting Brecht. His influence on contemporary drama and film. Cambridge [...]: Cambridge University Press 1990. – Laak, Lothar van: Medien und Medialität des Epischen in Literatur und Film des 20. Jahrhunderts: Bertolt Brecht, Uwe Johnson, Lars von Trier. München [...]: Fink 2009. – Lang, Joachim: Episches Theater als Film. Bühnenstücke Bertolt Brechts in den audiovisuellen Medien. Würzburg: Königshausen & Neumann 2006.


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: KJ


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