Lexikon der Filmbegriffe

Filmzeit

Die Filmzeit (oder filmische Zeit) ist ein Montagephänomen, das mit der Konstruktion des filmischen Raums einhergeht und zentral für alle filmischen Erzählungen ist. Durch die Montage hat der Film die Möglichkeit, von natürlichen Zeitzusammenhängen zu abstrahieren und seine eigene Zeit zu gestalten. Dabei ist im Spektrum vom Nachvollzug natürlicher Zeit bis zu surrealen Darstellungen von Zeit alles möglich.
Die Zeitverhältnisse innerhalb einer Einstellung („Einstellungszeit“) stehen „vor“ der Filmzeit, die durch Montage erzeugt wird. In der Einstellung steht die Relation zwischen der Zeit des Aufgenommenen und der Laufzeit der Einstellung im Mittelpunkt, was Erwin Panofsky als „Verräumlichung der Zeit“ charakterisiert – ebenso ist es innerhalb einer Einstellung möglich, durch Zeitraffer oder Zeitlupe eine filmeigene Dauer zu generieren.
Die eigentliche filmische Zeit setzt aber erst mit Gebrauch der Montage ein. Der zeitliche Zusammenhang zwischen den Einstellungen kann dabei auf verschiedene Weisen konstruiert werden. Innerhalb des narrativen Films sind sowohl Ellipsen als auch Zeitdehnungen möglich. Einige oft zu findende zeitbasierte oder -implizierende Montagearten sind die Parallelmontage (Konstruktion von Gleichzeitigkeit) und die Rückblende (zeitlicher Rückbezug innerhalb der erzählten Zeit). Aber auch experimentelle, nicht mit der Wahrnehmung natürlicher Zeit zu vergleichende Zeitdarstellungen können angelegt werden. Solche Verwendungen der filmischen Zeit sind zumeist in phantastischen oder surrealen Erzählungen sowie in Experimentalfilmen zu finden. Vor allem der Dokumentarfilm kennt darüber hinaus auch die indifferente Filmzeit, wo Motive zu einem Thema zusammenmontiert werden, die allerdings von keinem zeitlichen Zusammenhang erzählen.

Literatur: Panofsky, Erwin: Stil und Medium im Film. Frankfurt: Fischer 1995. – Pudovkin, Vsevolod: Die Zeit in Großaufnahme. Aufsätze, Erinnerungen, Werkstattnotizen. Berlin: Henschel 1983. – Arnheim, Rudolf: Film als Kunst. Frankfurt: Suhrkamp 2002.

Filme: frühe Parallelmontage: Suspense (1913, Lois Weber, Phillips Smalley); surreale Zeit: Meshes of the Afternoon (1943, Maya Deren); Zeitverschachtelung: Vantage Point (2008, Pete Travis). 
 

Referenzen:

Analepse

erzählte Zeit

Prequel

Prolepse

Rückblende

Sequel

Vorausblende

Zeitdeckung

Zeitlupe

Zeitlupe / Zeitraffer

Zeitraffer


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PE


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