Lexikon der Filmbegriffe

Bioscoopwet

1926 wurde in den Niederlanden ein Filmgesetz verabschiedet, mit dem ein nationales Komitee etabliert wurde, das aus Vertretern der politischen und religiösen Gruppen zusammengesetzt war und das die Aufführung von Filmen mit explizit erotischen und gewalttätigen Inhalten verbieten durfte. Manchmal wurden auch Schnittauflagen ausgesprochen. Verbote wurden auch gegen Filme mit unliebsamen politischen Botschaften ausgesprochen (wie z.B. die Filme der russischen Filmer der Zeit). Eigene Aufmerksamkeit genossen Filme, die das religiöse Empfinden diverser Bevölkerungsgruppen verletzten. Das Gesetz war eines der rigidesten Zensurgesetze der Welt. Vor allem amerikanische Filme wurden ob ihres abweichenden Umgangs mit Gewalt Gegenstand der Zensur; doch auch französische und deutsche Filme wurden ob ihrer Darstellung der losen Moral und der Unziemlichkeit der sexuellen Beziehungen mit Auflagen versehen. Trotz der Schärfe der ausgeübten Zensurauflagen gingen einige Städte im katholischen Süden des Landes noch weiter und etablierten noch zusätzlich eine katholische Zensurbehörde.

Literatur: Weele, J.C. van der: De Bioscoopwet met uitvoeringsbesluiten. Rotterdam: W.L. & J. Brusse's Uitgeversmaatschappij 1928. – van Vree, Frank: Media, Morality and Popular Culture. The Case of the Netherlands, 1870-1965. In: Bob Moore / Henk van Nierop (eds.): Twentieth-Century Mass Society in Britain and the Netherlands. Oxford/New York: Berg 2006, S. 79-92.


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: HHM


Zurück