Lexikon der Filmbegriffe

eingeschlossen

frz.: huis clos (= geschlossene Türen)

Das Motiv des Eingeschlossenseins ohne Möglichkeit des Entweichens wurde erstmals in dem Drama Huis Clos (Geschlossene Gesellschaft) des französischen Schriftstellers und Philosophen Jean‑Paul Sartre (1944) vorgestellt (verfilmt: Huis Clos, Frankreich 1954, Jacqueline Audry; No Exit, USA/Argentinien 1962, Tad Danielewski; mehrere TV-Adaptionen). Es wurde zu einem der wichtigsten Kernmotive von Absurdismus und Existentialismus. Zwar ist das Gefangensein auf engstem Raum ein viel älteres Thrillermotiv, so, wie die Verengung des Raums ein erprobtes Mittel der Spannungserzeugung ist. Und auch Gruppen, die auf Inseln gestrandet, im Urwald notgelandet oder bei Schiffskatastrophen eingeschlossen worden sind, realisieren die Enge des Raums wie eine experimentelle Bedingung zur Erprobung von Personenkonstellationen. Doch tritt im Absurdismus die Tatsache, dass die Figuren ohne erkennbaren Grund den Raum, in den sie eingeschlossen sind, nicht verlassen können, obwohl sie ihn hassen und verlassen wollen würden. Ihnen steht eine ungenannte Macht entgegen, die sie hält. Huis-Clos ist eine globale Metapher auf das Eingeschlossensein des Menschen in die Existenz, ein (oft als nihilistisch gedeuteter) Hinweis auf die Unmöglichkeit des Ausweichens. Filmisch am explizitesten hat Luis Buñuel das Motiv in El Angel exterminador (Mexiko 1961) ausgedeutet. Vittorio de Sicas I Sequestrati di Altona (Italien 1962, nach einem Stück von Sartre) erzählt von einem Nazi, der in seinem Haus eingeschlossen ist und glaubt, der Weltkrieg gehe immer weiter – bis er das Haus eines Tages verlässt.


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: JH


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