Lexikon der Filmbegriffe

hortus conclusus

lat.: geschlossener oder verschlossener Garten

Der hortus conclusus ist ein Bildmotiv der Bildenden Kunst und spielt eine besondere Rolle in der Mariensymbolik. Es geht zurück auf das Hohelied des AT: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell“ (Hohes Lied, 4,12). Der umschlossene oder gar geheime Garten ist auch ausgeführt worden als Paradiesgärtlein. Im Film ist er eine besondere Ausprägung des locus amoenus, oft als Ort, der nur einzelnen Figuren zugänglich ist und der einen Sehnsuchts- ebenso wie einen Rückzugsraum symbolisiert. In Agnieszka Hollands Film The Secret Garden (USA 1995, nach dem mehrfach verfilmten Kinder- und Jugendroman von Frances Hodgson Burnett, 1911) wird sogar im Titel auf das Motiv Bezug genommen. Auch das unterirdische Reich in El Laberinto del Fauno (Spanien/Mexiko 2006, Guillermo del Toro) ist lesbar als Inversion des hortus conclusus, so, wie auch Being There (USA 1979, Hal Ashby), der von einem Butler erzählt, der nach jahrzehntelangem Leben in der Villa seines Herrn in die Welt hinausziehen muss, als Auszug aus dem Paradiesgärtlein interpretiert worden ist. Gerade dann, wenn der Garten Schutz vor den Umbrüchen der Zeit gewährt, nimmt er Impulse des Motivs auf, selbst dann, wenn der Schutz am Ende entzogen wird; der parkartige Garten, in dem die Helden von Vittorio des Sicas Film Il Giardino dei Finzi Contini (Italien 1970) ihre Jugend verbringen, kann sie nur zeitweise gegen die Verfolgung der Nazis abschirmen.

Literatur: Ströbel, Nele (Hrsg.): Der Hortus conclusus. Ein geistiger Raum wird zum Bild. München [...]: Deutscher Kunstverlag 2006. – Aben, Rob / Witt, Saskia de: The enclosed garden. History and development of the Hortus Conclusus and its reintroduction into the present‑day urban landscape. Rotterdam: 010 Publ. 1999.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CA


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