Lexikon der Filmbegriffe

Spektakel: Debord

Der französische Künstler und Philosoph Guy Debord stellte in seinem 1967 erschienen Buch La Société du Spectacle eine Gesellschaftstheorie in der Tradition marxistischer und kulturkritischer Positionen vor. Danach erweist sich die (spät-)kapitalistische Gesellschaft als symbolischer Handlungszusammenhang, der alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens einschließlich der Produktionssphäre umgreift. Alle Beteiligten spielen zugewiesene Rollen; Selbstbestimmung ist ausgesetzt. Das Reale wird in dieser Theorie hinter einer Scheinwelt aus Werbung, Klischees, Propaganda unsichtbar, Erlebtes ebenso wie Gewünschtes nur noch als Repräsentation und als Surrogat erlebbar. Debords Buch, demzufolge das Symbolische das Reale ersetzt, nimmt Argumente des Postmodernismus vorweg. Es wird heute oft unter medientheoretischer Perspektive diskutiert, weil Medien als formative symbolische Rahmen jene Transformation erst ermöglichen. Dass sich hinter der Spektakularisierung eine Verselbständigung des Ökonomischen verbirgt, für das der Zusammenbruch kultureller Werte und das Verschwinden von Geschichte (und damit des Politischen) nur von Nutzen sind, gibt den Ansatz zu einer radikalen Kritik der modernen Gesellschaft.

Literatur: Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Derlin: Edition Tiamat 1996. – Kaufmann, Vincent / Bononno, Robert: Guy Debord. Revolution in the service of poetry. Minneapolis [...]: University of Minnesota Press 2006. – Farrell, Thomas B.: Media rhetoric as social drama. The Winter Olympics of 1984. In: Critical Studies in Mass Communication 6,2, 1989, S. 158‑182. 


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: HJW


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