Lexikon der Filmbegriffe

narrative Instanz

Das Benennen einer narrativen Instanz ist beim Film mit dem Erkennen der Kamerainstanz bzw. des Kamerastatus verbunden. Dadurch, dass die Kamera (und das von ihr erzeugte filmische Bild) immer Ursprung jeder Filmerzählung ist, ist die Zuschreibung einer narrativen Instanz beim Film eine diffizile Angelegenheit. Der Apparat bringt durch den photographischen Prozess immer mehr und anderes in die Erzählung ein, als von den Filmgestaltern kontrolliert werden könnte, wovon auch die Anlage der narrativen Instanz berührt wird. Mit dem Kamerastatus direkt verbunden ist die Präsenz der Schauspieler, die auf diesem Wege ihren Anteil an der narrativen Instanz eines Films einbringen. Im Bildauswahl- und Montageprozess, der die Filmerzählung letztlich hervorbringt, werden dann auch die narrativen Instanzen entworfen. Ob aufbauend auf den Kamerabildern in einer Filmerzählung mit Hilfe der Wahl von Einstellungskompositionen, Kameraperspektiven und Montageverknüpfungen eine subjektive Instanz bezüglich der Figuren, eine autonome Instanz mit evozierten Blicken oder eine objektiv-dokumentarische Instanz (bzw. ein Gemisch aus all diesen Möglichkeiten) angelegt wird, kann nur über die Gesamtkonstitution der Stimmung und über genaue Einstellungs- und Montageanalysen festgestellt werden. Wegen der beschriebenen Phänomene können die aus der literarischen Erzähltheorie stammenden Begriffe nicht einfach auf die Filmerzählung übertragen werden, da die Verbindung von Filmteam und Kamera nicht mit der von Autor und Text vergleichbar ist, da ein literarischer Autor die Erzählung komplett entwirft.

Literatur: Kracauer, Siegfried: Theorie des Films. Frankfurt: Suhrkamp 2005 (Werke. 3.). – Deren, Maya: Kameraarbeit: Der schöpferische Umgang mit der Realität. In: Frauen und Film, 37, 1984, S. 63-73.

Filme: hauptsächlich autonom-dokumentierende Kamerainstanz: M - Eine Stadt sucht einen Mörder (1931, Fritz Lang); hauptsächlich subjektive Kamerainstanz: Carnival of Souls (1962, Herk Harvey); Kamera-Schauspiel-Präsenz: Gran Torino (2008, Clint Eastwood). 


Artikel zuletzt geändert am 22.04.2012


Verfasser: PE


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