Lexikon der Filmbegriffe

Universum-Film Aktiengesellschaft (UFA)

Die am 18.12.1917 in Berlin gegründete Universum-Film Aktiengesellschaft (Ufa) wurde in den 1920er Jahren zum größten deutschen Filmunternehmen ausgebaut. Nach dem Vorbild der großen Hollywoodstudios strebte man eine Vormachtstellung durch vertikale Integration an, indem Produktion, Verleih und Distribution unter einem Dach vereint wurden. Sinnbildlich für diese Bestrebungen waren die hochmodernen firmeneigenen Studios in Neubabelsberg sowie der Bau imposanter Lichtspielhäuser wie die Ufa-Pälaste in Hamburg und Berlin. Neben kommerziell erfolgreichen Filmen wie Madame Dubarry (1919, Ernst Lubitsch), setzte man mit Produktionen wie Der letzte Mann (1924, Friedrich Wilhelm Murnau) neue technische und ästhetische Maßstäbe. Durch steigende Produktionskosten, eine unvorteilhafte Übereinkunft mit großen Hollywoodstudios (dem sogenannten Parafumet-Vertrag) und finanzielle Misserfolge – allen voran Fritz Langs von der Kritik gelobten, aber letztendlich hochdefizitären Metropolis (1925/26) – kam es Mitte bis Ende der 1920er Jahre zu einer tiefen Krise. Als Folge musste Erich Pommer, der die Ufa in den vorangegangenen Jahren als Produzent maßgeblich prägte, die Firma verlassen. Der deutschnational gesinnte Alfred Hugenberg übernahm die angeschlagene Firma.
Durch die rasche Umstellung zum Tonfilm gelang es Anfang der 1930er Jahre, mit Filmen wie Der blaue Engel (1930, Josef von Sternberg) und Der Kongress tanzt (1931, Erik Charell) wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. Als größte Filmfirma im Reich spielte die Ufa nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten eine zentrale Rolle bei der Umsetzung nationalsozialistischer Filmpolitik und der sukzessiven Verstaatlichung der Filmindustrie, die 1942 mit der Verschmelzung der Ufa und weiterer verbliebenen Produktionsfirmen zur Ufa Film GmbH (Ufi) weitgehend abgeschlossen war.
In den Nachkriegsjahren wurde die Ufa zerschlagen. In der sowjetischen Besatzungszone gingen Teile des Besitzes (u.a. die Produktionsstätten in Neubabelsberg) in die neugegründete Deutsche Film AG (DEFA) über. In Westdeutschland kam es durch das von der amerikanischen Militärregierung erlassenen „Lex-Ufi“ und dem vom Bundestag beschlossenen Entflechtungsgesetz zu einer allmählichen Ausgliederung (u.a.der Bavaria Film) und Reprivatisierung. Das filmische Erbe der Ufa/Ufi ging dabei an die neugegründete Verwaltungsgesellschaft Murnau-Film-Stiftung, während die Namensrechte und Teile der alten Ufa 1964 an Bertelsmann veräußert wurden. In den 1990er Jahren wurde die Ufa (heute: UFA Film & TV Produktion GmbH) mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen zu einer der größten Fernsehproduktionsgesellschaften in Deutschland.

Literatur: Bock, Hans-Michael / Töteberg, Michael (Hrsg.): Das Ufa-Buch. Kunst und Krisen, Stars und Regisseure, Wirtschaft und Politik. Frankfurt: Zweitausendeins 1992. – Rother, Rainer (Hrsg.): Die Ufa 1917–1945. Das deutsche Bildimperium. Berlin: Deutsches Historisches Museum 1992. – Kreimeier, Klaus: Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns. München/Wien: Hanser 2002.

Referenzen:

DEFA

Lex Ufi

Nazifilm / nationalsozialistischer Film

Parufamet-Vertrag

Ufa-Lehrschau

Ufa-Theater AG


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: THO


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