Lexikon der Filmbegriffe

Gremienfilm

oft auch: Förderungsfilm

Als es in den späten 1960ern in der BRD zur Bereitstellung von Fördermitteln und zur Einrichtung von Fördergremien kam, die den Film als kulturelles Produkt finanziell unterstützen sollten, entstand eine große Zahl von Filmen, die nach Meinung vieler Kritiker sich nicht mehr an das Publikum wandten und sich nicht mehr den Konditionen des Marktes aussetzten, sondern die am Urteil der Gremien orientiert waren. Die Filme wurden bis zu vier Fünfteln der Kosten subventioniert. Bereits im Dezember 1977 hatte die SPIO in einem Papier zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes, die 1979 erfolgen musste, vorgelegt, in dem gefordert wurde, dem „Publikumsfilm“ vor dem „Gremienfilm“ Vorrang zu gewähren. Der Marktanteil deutscher Filme sei in der BRD inzwischen auf 5% gefallen, ein klares Indiz dafür, dass die Filme keine Zuschauer fänden und dass der kulturpolitische Auftrag einer kulturellen Filmförderung darum nicht oder nur unzureifend greife. In der darauf folgenden Debatte, in der die Bezeichnung Gremienfilm auch in der Filmkritik und im Feuilleton zum Schimpfwort wurde, war allerdings auch immer klar, dass auch Filme wie die von Rohmer, Kaurismäki oder Greenaway auf Subventionierung angewiesen seien. Die Kritik an der Förderpraxis richtete sich darum vor allem gegen die entscheidungsbefugten Gremien, in denen – ähnlich den Rundfunkräten – Vertreter der gesellschaftlich relevanten Gruppen sowie Vertreter der Filmwirtschaft und des Fernsehens saßen.

Literatur: Elsaesser, Thomas: A Retrospect on the New German Cinema. In: German Life and Letters 41,3, 1988, S. 271-292.

Referenzen:

Filmförderungsanstalt (FFA)


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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