Lexikon der Filmbegriffe

cut-up (2)


dt. manchmal: Schnitt-Technik

Cut-up ist eine Technik der Zufallsmontage. Das Verfahren, das Collagetechniken der Bildenden Kunst adaptierte,  wurde in den späten 1950er Jahren in der Avantgarde- und Beat-Literatur durchgespielt. Der wohl bekannteste Literat, der sich des Verfahrens bediente, war  William S. Burroughs. Eine Form des cutting up besteht darin, einen vorliegenden Text zu zerschneiden und die dabei gewonnenen Stücke nach einem formalen oder sogar nur nach Zufallsprinzip neu zusammenzusetzen. Das Verfahren galt als Versuch, die Autorität des Textes (der Erzählung resp. des Erzählers) zu unterwandern und bis dahin ungekannte semantische und materiale Potentiale des Sprachlichen aufzudecken. Es galt, Sprache (bzw. im Film später die Regeln der Continuity-Montage) als Hauptmedium der Disziplinierung und Unterdrückung des Subjekts durch ein ästhetisches Verfahren zu unterminieren. Eine der frühesten Anverwandlungen des Cut-Up-Verfahrens ist der nur auf vorgefundenes Material zurückgreifende Found-Footage-Film La Verifica incerta (Italien 1964, Gianfranco Baruchello, Alberto Grifi). Auch Filme wie der auf Einzelbildmontage beruhende Film T,O,U,C,H,I,N,G (USA 1968, Paul Sharits) gehen methodisch auf das Cut-Up-Verfahren zurück, das in den Formen der Videokunst dann sogar zu einem der methodischen Zentren wurde (etwa in den Arbeiten Max von Bruchs).
In der weiteren Entwicklung wurde das Verfahren als Technik der Neuabmischung (auch: Remix) von Texten in Verbindung mit musikalischen Techniken gebracht, mit denen DJs aus vorliegenden Platten neue Stücke zusammenfügen. 

Literatur: Fahrer, Sigrid: Cut–up: Eine literarische Medienguerilla. Würzburg: Königshausen & Neumann 2009.
 


Referenzen:

cut-up (1)


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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