Lexikon der Filmbegriffe

Extravaganza (1)

von ital. stravaganza = Überdrehtheit, verrücktes Benehmen, Verdrehtheit

In die Formenwelt der Zwischenspiele zählt die Extravaganza. Man versteht darunter ein musikalisches (manchmal auch literarisches) Klein-Werk, das hinsichtlich Stil und Struktur vollkommen frei ist. Meist auf der Bühne realisiert, enthält es Elemente der Burleske, der Pantomime und der Parodie. Im 19. Jahrhundert wurden zudem viele Ausdrucksformen des Slapstick-Körpertheaters übernommen; Cabaret, Zirkus, Revue, Variété und Vaudeville bildeten weitere Quellen. Extravaganzas wurden populär vor allem im Theater des 19. Jahrhunderts; der englische Dramatiker James R. Planché benannte „the whimsical treatment of a poetical subject“ als oberste stilistische Devise der Extravaganza. Zwar wird der Begriff auch auf ganze Stücke, die aus zahlreichen, in sich sehr unterschiedlichen Einzelszenen wie ein Puzzle zusammengesetzt sind, angewendet (dann spricht man bei einzelnen Nummern von mini-extravaganzas), doch wird damit heute meist eine einzelne Nummer bezeichnet, die sich vom Kontext des umgebenden Stücks deutlich unterscheidet. Wenn etwa in dem deutschen Film Superstau (BRD 1991, Manfred Stelzer) eine russische Clowngruppe eine eigene musikunterlegte, gegenüber dem normalen Erzähltempo äußerst beschleunigt wirkende Slapstick-Nummer in der Küche eines Autobahnrestaurants realisiert, ist diese Szene eine Extravaganza – in einem begrenzten Raum (also auf einer eigenen Bühne), in einem ganz eigenen, vom Kontext unabhängigen Stil, verschiedene Darstellungsformen des Unterhaltungstheaters integrierend.

Referenzen:

Extravaganza (2)


Artikel zuletzt geändert am 29.05.2012


Verfasser: HJW


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