Lexikon der Filmbegriffe

Schürzung (2)

Begriff aus der Filmdramaturgie Freilichs, aber auch in allgemeinerem Gebrauch. Danach folgt der Einführung der Handlungsgrundlagen die Schürzung, die als Handlungssteigerung zum Höhepunkt des Dramas führt. Hier wird die Vorgeschichte des dramatischen Geschehens dargelegt und der Konflikt zugespitzt.
Freilichs Aufbau der Tragödie mit Schürzung, Entwicklung und Lösung des dramatischen Konflikts entspricht den drei Teilen einer Handlung bei Aristoteles. In der Dramaturgie Freytags ist das „erregende Moment“, die „Steigerung“ resp. die „steigende Handlung“ das Äquivalent der Schürzung (des Knotens oder Konflikts; der Begriff taucht auch bei Freytag schon auf). Schürzung taucht gelegentlich in der dramatischen Analyse des Films auf; so stellt sich Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin (1925) etwa als fünfaktiges Drama dar – die Episode um das madige Fleisch im ersten Akt ist die Exposition, der Aufstand der Matrosen im zweiten die Schürzung der Handlung, das Hissen der roten Fahne im dritten Abschnitt der Kulminationspunkt, das Massaker auf der Odessaer Treppe die Katastrophe, das Entkommen des Panzerkreuzers im fünften Akt schließlich die Lösung.

Literatur: Freilich, Semjon: Dramaturgie des Films. Berlin (DDR): Henschelverlag Berlin 1964.
 

Referenzen:

Schürzung (1)


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


Zurück